Wiener Lehrerin schlägt Alarm: Jedes vierte Kind der ersten Klasse muss wiederholen

Wiener Lehrerin schlägt Alarm: Jedes vierte Kind der ersten Klasse muss wiederholen

An einer Wiener Volksschule nahe dem Gürtel bleibt mehr als ein Viertel der Erstklässler sitzen – wegen fehlender Deutschkenntnisse. Die Pädagogin, die anonym bleibt, spricht von einer bitteren Realität, die kein Einzelfall ist.

„Das ist normal an unserer Schule“

Sophie – 26 Jahre alt, engagierte Lehrerin, will anonym bleiben – unterrichtet an einer Volksschule im Bereich des Wiener Gürtels. Gegenüber heute.at schildert sie die Lage in ihrer Schule in klaren Worten: „In der ersten Schulstufe wird mehr als ein Viertel aller Schüler die Klasse wiederholen müssen. Grund sind die fehlenden Deutschkenntnisse.“ Bei den betroffenen Kindern handelt es sich um sogenannte außerordentliche Schüler – Kinder, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können. Sophie unterrichtet selbst eine dritte Klasse, in der bereits ein Drittel der Kinder eine Klasse wiederholt hat. „Das ist normal an unserer Schule“, sagt sie laut heute.at.

Hälfte der betroffenen Kinder in Österreich geboren

Besonders bemerkenswert ist laut heute.at ein Detail, das die Debatte verschiebt: Rund die Hälfte jener Kinder, die wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht versetzt werden, wurde in Österreich geboren. „Sie kommen alle aus bildungsfernen Familien, auch die Eltern sprechen kaum Deutsch“, erklärt Sophie. Im gesamten Schulgebäude hätten nicht einmal ein Dutzend Kinder Deutsch als Muttersprache. Das Problem ist also kein reines Zuwanderungs-, sondern auch ein Integrationsproblem über Generationen.

Unterricht unter erschwerten Bedingungen

Das Wiederholen einer Klasse erzeugt zusätzliche Probleme, wie Sophie gegenüber heute.at schildert. In einer Klasse sitzen dann Kinder unterschiedlichsten Entwicklungsstands nebeneinander: „Die einen, die das richtige Alter haben, sind noch infantil, die Älteren sind groß und reif – das macht es sehr schlimm, die sind nicht kompatibel.“ Auch beim Lesen zeigen sich laut Sophie gravierende Schwächen: „Die Kinder sind so sehr auf die Buchstaben fokussiert, dass der Sinn nicht verstanden wird. Selbst einfache Aufgabenstellungen wie ‚unterstreiche‘, ‚markiere‘ oder ’schreib‘ muss ich jedes Mal neu erklären.“

Kein Einzelfall: 5.500 Wiener Volksschulkinder blieben sitzen

Sophies Schule ist laut heute.at-Recherchen kein Ausnahmefall. Aus der Wiener Bildungsdirektion geht hervor, dass im vergangenen Schuljahr rund 5.500 Volksschulkinder eine Schulstufe wiederholt haben – das entspricht rund 7,6 Prozent aller Wiener Primarschüler. Die Bildungsdirektion betont laut heute.at, dass das Wiederholen in manchen Fällen „eine gezielte pädagogische Maßnahme“ sei und nicht automatisch negativ bewertet werden dürfe.

Deutschförderung zeigt erste Wirkung

Trotz des düsteren Gesamtbildes berichtet Sophie auch von einem positiven Trend. Die zusätzliche Deutschförderung mit rund zehn Wochenstunden zeige Wirkung: Das Sprachniveau verbessere sich spürbar. „Früher sind noch mehr Kinder in der ersten Klasse sitzen geblieben“, sagt sie laut heute.at. Das Programm entlastet die Regelklassen – reicht aber angesichts der strukturellen Dimension des Problems offensichtlich nicht aus.

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