Thomas Schmid, einst mächtigster Beamter im österreichischen Finanzministerium und heute Kronzeuge der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), gerät im laufenden Prozess gegen ÖVP-Klubobmann August Wöginger zunehmend selbst unter Druck. Der Grund: Gleich vier hochrangige Finanzbeamte haben in ihren Zeugenaussagen Schmids Darstellung in wesentlichen Punkten widersprochen – und das könnte für ihn juristische Konsequenzen haben.
Was Schmid behauptete – und was Zeugen aussagten
Am 9. März hatte Schmid vor Gericht erklärt, er habe „wenig bis gar nichts“ über die Besetzung der Leitungsfunktion beim Finanzamt Freistadt Rohrbach Urfahr gewusst. In den darauffolgenden Prozesstagen malten vier Finanzbeamte jedoch ein ganz anderes Bild: Schmid habe sehr wohl einen Wunschkandidaten gehabt und sei geradezu „außer sich“ gewesen, als dieser nicht an erster Stelle gereiht wurde.
Besonders brisant: Wie der ORF Oberösterreich berichtet, gab ein Sektionschef im Zeugenstand an, Schmid habe ihn sogar angewiesen, den erstgereihten Bewerber zum Rückzug zu bewegen. Er bezeichnete das als „Weisung“ und empfand sie als „negativen Höhepunkt“, „absoluten Witz“ und „Frechheit“. Eine weitere Zeugin berichtete laut ORF von verdichteten Gerüchten, wonach Schmid bereits nach dem Hearing in Freistadt das Versprechen gemacht habe: beim nächsten freien Posten in Oberösterreich klappe es mit dem Wunschkandidaten – dem ÖVP-Bürgermeister. Dieser Posten war dann jener des Finanzamts Braunau.
Worum geht es im Wöginger-Prozess?
Im Kern des Verfahrens steht der Vorwurf des Amtsmissbrauchs: Wöginger und zwei Finanzbeamte sollen 2017 dafür gesorgt haben, dass ein ÖVP-Bürgermeister den Vorstandsposten im Finanzamt Braunau erhielt – obwohl eine langjährige Finanzbeamtin die klar besser qualifizierte Bewerberin war. Wie profil.at berichtet, stellte das Bundesverwaltungsgericht bereits 2021 fest, dass sie „erheblich höher“ qualifiziert war, und sprach ihr eine Entschädigung wegen Diskriminierung zu.
Schmid selbst hatte bei seiner Aussage eingeräumt, dass er damals sehr wohl interveniert habe – und dass ihm das leidtue. Wie der ORF dokumentiert, erklärte er vor Gericht: „Ich hatte das Gefühl, er erwartet sich, dass hier etwas zu geschehen hat.“ Sein Motiv: eine gute Zusammenarbeit sichern und „wenn man in Zukunft einmal etwas braucht“. Für den Kronzeugenstatus ist Schmid seit Jahresende 2024 offiziell als solcher anerkannt – ohne diesen wäre er selbst auf der Anklagebank gesessen.
Kronzeugenstatus in Gefahr?
Genau darin liegt nun das rechtliche Problem. Wie oe24 berichtet, kann der Kronzeugenstatus entzogen werden, wenn ein Kronzeuge vor Gericht die Unwahrheit sagt. Die Aussagen der vier Finanzbeamten stehen in direktem Widerspruch zu Schmids Behauptung, kaum etwas von der Besetzung in Freistadt gewusst zu haben. Ob daraus eine formelle Prüfung einer Falschaussage wird, bleibt offen – doch der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Das Urteil im Wöginger-Verfahren ist für den 21. April anberaumt.
Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.
Quellen:
- oe24.at: Falschaussage? Jetzt wackelt Schmids Kronzeugen-Status, 26. März 2026
- ORF Österreich (orf.at): Prozess wegen Amtsmissbrauchs – Schmid belastet Wöginger, März 2026
- ORF Oberösterreich (ooe.orf.at): Finanzamtscausa – Eindruck von geschobener Bestellung, März 2026
- profil.at: Wie glaubwürdig sind die Aussagen von Thomas Schmid im Postenschacher-Prozess?, März 2026
- nachrichten.at: Finanzbeamtin im Wöginger-Prozess, 10. März 2026
Credits: APA
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