Elf Tage nach Kriegsbeginn verkündet US-Präsident Donald Trump den Sieg über den Iran – und schickt gleichzeitig die Botschaft: Der Einsatz geht weiter.
Rally in Kentucky: Siegeserklärung mit Einschränkung
Es war Trumps erster politischer Auftritt seit dem Beginn der Militäroperation gegen den Iran am 28. Februar: Vor Anhängern in Hebron, Kentucky, erklärte der US-Präsident den Krieg für gewonnen. Wie Reuters berichtet, sagte Trump wörtlich: „Wir wollen nicht zu früh sagen, dass wir gewonnen haben. Wir haben gewonnen. In der ersten Stunde war es vorbei.“ Kurz darauf relativierte er sich selbst: „Wir wollen nicht zu früh abziehen, oder? Wir müssen den Job beenden.“
Die Botschaft war damit doppeldeutig – Triumph für die Basis, aber kein klares Kriegsende. Wie NBC News berichtet, lieferte Trump damit eine widersprüchliche Botschaft: Sieg proklamieren und gleichzeitig weitermachen.
Militärische Bilanz laut Trump
Bei dem rund 71-minütigen Auftritt in einem Verpackungsbetrieb in Boone County malte Trump ein drastisches Bild der iranischen Niederlage. Wie der Washington Examiner berichtet, rühmte der Präsident die gemeinsame US-israelische Militäroperation namens „Operation Epic Fury“ – einen Namen, den er nach eigenen Angaben persönlich aus einer Liste von 20 Vorschlägen ausgewählt hatte. Die USA hätten 58 iranische Kriegsschiffe versenkt, die Luftwaffe des Iran sei „vollständig vernichtet“, Raketen um 90 Prozent, Drohnen um 85 Prozent reduziert worden. Iran habe „praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte“, zitierte ihn zuvor das Nachrichtenportal Axios in einem Telefoninterview.
Bereits am Montag hatte Trump gegenüber CBS News erklärt, er denke, der Krieg sei „so gut wie beendet“ – auch damals ohne konkrete Belege.
Iran schlägt zurück – und bestreitet die Niederlage
Die Realität auf dem Schlachtfeld zeichnet ein anderes Bild. Wie CNN berichtet, erklärte die iranische Revolutionsgarde am selben Tag, sie habe ihre „intensivste und schwerste Operation“ seit Kriegsbeginn gestartet. Projektile trafen drei Schiffe in der Straße von Hormus, dem Nadelöhr für rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels.
Auf Trumps frühere Siegesaussagen hatten die Revolutionsgarden bereits reagiert: „Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden“, hieß es laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.
Ölpreise steigen, Stimmung kippt
Der Krieg wirft seinen Schatten auf die US-Wirtschaft – ausgerechnet jene Baustelle, auf der Trump vor den Midterm-Wahlen im November punkten wollte. Wie die Washington Times berichtet, stieg der Brent-Rohölpreis am Mittwoch um fast fünf Prozent auf knapp 92 Dollar pro Barrel, der Dow Jones verlor rund 300 Punkte. Die Internationale Energieagentur gab 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven frei, um die Versorgung zu stabilisieren. Trump beschwichtigte: Die Ölpreise würden „mehr fallen, als irgendjemand versteht.“
Laut NBC News sind die Amerikaner entlang der Parteilinien gespalten – mit einer Mehrheit, die den Krieg ablehnt. Ein Benzinpreis, der seit Kriegsbeginn um umgerechnet rund 60 Cent pro Gallone gestiegen ist, macht das Thema für viele Wähler greifbar.
Sieben tote US-Soldaten – darunter einer aus Kentucky
Was Trump in seiner Rede verschwieg, ist bemerkenswert: Laut einem Bericht von Yahoo News verlor der Staat Kentucky einen eigenen Soldaten im Krieg. Der 26-jährige Sergeant Benjamin Pennington aus Glendale, Kentucky, wurde am 1. März bei einem iranischen Angriff auf einen saudischen Militärstützpunkt schwer verletzt und starb am 7. März an seinen Verletzungen. Laut Pentagon wurden seit Kriegsbeginn insgesamt sieben US-Soldaten getötet und 140 verletzt.
Quellen: Reuters, NBC News, Washington Times, Washington Examiner, CNN, Axios, CBS News, Al Jazeera, Yahoo News
Credits: APA
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