Wien zuerst? ÖVP NÖ greift Bildungsminister Wiederkehr scharf an

Wien zuerst? ÖVP NÖ greift Bildungsminister Wiederkehr scharf an

Der NEOS-Bildungsminister will Brennpunktschulen gezielt fördern – doch die ÖVP Niederösterreich wittert eine Ungleichbehandlung. Der Streit um den sogenannten Chancenbonus eskaliert.

227 zu 27 – die Zahl, die alles entfacht

Der Auslöser ist konkret: Ab dem Schuljahr 2026/27 erhalten 227 Brennpunktschulen in Wien – darunter 134 Volksschulen und 93 Mittelschulen – zusätzliche Ressourcen im Rahmen des Chancenbonus. wien.ORF.at Österreichweit profitieren 400 Schulen von dem Programm. In Niederösterreich sind es laut ÖVP-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner jedoch nur 27.

Für die Volkspartei Niederösterreich ist das zu viel Wien – und zu wenig Rest-Österreich. Zauner warf Wiederkehr vor, seine „Versäumnisse als Bildungsstadtrat von Wien wettzumachen, indem er Budgetmittel des Bundes in die Bundeshauptstadt verfrachtet und nicht gleichmäßig auf alle Bundesländer verteilt.“ News.at

Rollenwechsel nicht geschafft?

Der Vorwurf sitzt tief. Wiederkehr war bis zu seiner Bestellung zum Bundesminister Bildungsstadtrat in Wien – und genau das hält ihm die ÖVP NÖ nun vor. Zauner meinte, der Minister habe den Rollenwechsel von der Stadt- in die Bundespolitik „noch nicht geschafft“. News.at

Das klingt nach Koalitionsstreit – und das ist es auch. Wie Vienna.at berichtet, zog Zauner dabei sogar einen Vergleich zum laufenden Streit um Wiener Gastpatienten mit dem SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker: „Egal ob ein roter Stadtrat oder ein pinker Bildungsminister: Wir lassen uns eine Ungleichbehandlung zwischen Wien und Niederösterreich mit Sicherheit nicht gefallen.“ VIENNA.AT

KI ja, aber nicht auf Kosten von Latein

Neben dem Chancenbonus ist auch Wiederkehrs geplante Lehrplanreform Streitthema. Der Minister will Stunden für Latein und die zweite lebende Fremdsprache an der AHS-Oberstufe kürzen – zugunsten von Informatik und Künstlicher Intelligenz. Die ÖVP NÖ lehnt das ab. Wie noe.ORF.at berichtet, stellte Bildungssprecher René Lobner klar: „Wir sollten KI nicht gegen Latein ausspielen.“ Es brauche eine verstärkte Behandlung digitaler Kompetenzen als Querschnittsmaterie in allen Fächern. ORF

Bereits Mitte Februar hatte ÖVP-Bildungssprecher und Generalsekretär Nico Marchetti auf Bundesebene ähnlich kritisiert: Bei den Lehrplanreformen liege laut Vienna.at noch „nichts am Tisch“ – weder Unterlagen noch Verhandlungstermine noch eine Einbindung der Personalvertretung.

Lobner sprach sich zudem für den Erhalt der Sonderschulen und die Wiedereinführung eines eigenen Lehrgangs für Sonderpädagogik aus, wie die NÖN berichtet.

Wiederkehr hat das Prinzip klar erklärt – und NEOS kontert

Der Chancenbonus ist kein Wiener Willkürakt, sondern folgt einem Prinzip. Die Auswahl der Schulen erfolgt nach dem sozialen und wirtschaftlichen Hintergrund der Schüler – ob sie aus ärmeren Familien kommen oder Migrationshintergrund haben. Wiederkehr betonte, sein Ziel sei es, dass nicht Herkunft oder der Bildungshintergrund der Eltern entscheidend seien, sondern alle Kinder faire Bildungschancen bekämen. wien.ORF.at Auch die OECD empfehle eine solche indexbasierte Finanzierung, sagte der Minister.

Die niederösterreichischen NEOS halten den Angriff denn auch für verfehlt. Landesparteivorsitzende Indra Collini bezeichnete die Kritik laut noe.ORF.at als „hanebüchenen Unsinn“: „Es geht nicht darum, Geld mit der Gießkanne über alle Bundesländer zu verteilen. Mittel müssen dort investiert werden, wo die Herausforderungen am größten sind – genau das tut Wiederkehr.“ ORF

Landtag wird zum Schauplatz

Der Streit bleibt nicht in Pressekonferenzen – er zieht in den Landtag. Am Donnerstag findet im niederösterreichischen Landtag eine von der FPÖ beantragte Aktuelle Stunde statt. Der Titel: „Deutsch stärken und Leistung sichern: Gefährden Reformen von Bildungsminister Wiederkehr Niederösterreichs Schulen?“ Dass ausgerechnet FPÖ und ÖVP hier in dieselbe Kerbe schlagen, zeigt: Wiederkehrs Reformtempo schafft Gesprächsstoff weit über Partei- und Landesgrenzen hinaus.


Quellen: oe24.at (23.02.2026), noe.ORF.at (23.02.2026), vienna.at (23.02.2026), NÖN.at (23.02.2026), wien.ORF.at (21.11.2025), nachrichten.at (13.02.2026), ORF.at (09.09.2025)

Credits: APA

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