Wien, die Stadt der Musik und Kultur, wird immer mehr zum sozialen Brennpunkt Österreichs. Während nur 22 Prozent der Bevölkerung hier leben, beziehen satte 73 Prozent aller Sozialhilfeempfänger ihre Leistungen in der Hauptstadt. Doch wie konnte es so weit kommen? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Die Kosten explodieren, und die Stadtregierung zieht erstmals die Notbremse.
Kostenlawine: Sozialhilfe-Ausgaben verdreifacht
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 2014 haben sich die Ausgaben für Sozialhilfe in Wien von 400 Millionen Euro auf 1,25 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Laut Statistik Austria fließen fast 50 Prozent der Mittel an Schutzberechtigte – eine Gruppe, die sich in Wien besonders stark konzentriert. Von den 149.000 Mindestsicherungsbeziehern in Wien sind knapp 73.000 Schutzberechtigte. Das entspricht fast der Hälfte aller Empfänger.
Schutzberechtigte: Der Haupttreiber der Kosten
Die Konzentration von Schutzberechtigten in Wien ist einzigartig. Laut Statistik Austria leben von 77.648 Asylberechtigten in Österreich 60.135 in Wien. Bei subsidiär Schutzberechtigten ist die Quote noch extremer: Von 13.652 Personen sind 12.647 in Wien gemeldet. Diese Gruppe erhält in Wien volle Mindestsicherung, während andere Bundesländer sie auf Grundversorgung beschränken.
Warum Wien? Der „Pull-Effekt“
Ein zentraler Grund für die hohe Konzentration ist die großzügige Sozialpolitik Wiens. Wie „oe24“ berichtet, zahlt die Stadt 326 Euro pro Kind – der höchste Betrag in Österreich. Zum Vergleich: In Niederösterreich gibt es für fünf Kinder insgesamt nur 725,40 Euro, in Wien hingegen 1.630 Euro. Kein Wunder, dass viele Familien den Weg in die Hauptstadt suchen.
Reformen: Erste Einschnitte ab 2026
Angesichts der explodierenden Kosten reagiert die Stadtregierung nun. Ab 2026 sollen subsidiär Schutzberechtigte keinen Anspruch mehr auf Mindestsicherung haben und in die Grundversorgung zurückfallen. Auch bei Wohnzuschüssen und Familienleistungen sind Kürzungen geplant. Laut ORF Wien sollen diese Maßnahmen rund 200 Millionen Euro einsparen. NGOs wie die Diakonie kritisieren jedoch, dass diese Einschnitte viele Betroffene in Armut und Wohnungslosigkeit treiben könnten.
Sozialhilfe in Zahlen
Laut Statistik Austria betrugen die Gesamtausgaben für Sozialhilfe in Österreich 2024 rund 1,3 Milliarden Euro. Wien stemmt mit 983 Millionen Euro den Löwenanteil. Die durchschnittliche monatliche Leistung pro Bedarfsgemeinschaft liegt in Wien bei 982 Euro, während sie in anderen Bundesländern wie dem Burgenland nur 748 Euro beträgt.
Quellen: ORF Wien, Statistik Austria, oe24.at
Credits: APA
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