Ein Dokument der israelischen Regierung beschreibt Österreich als bedeutenden Schauplatz der Muslimbruderschaft in Europa. Die Reaktion aus dem Wiener Rathaus: Schweigen.
Was der israelische Bericht sagt
Am 26. Februar 2026 veröffentlichte das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten und zur Bekämpfung von Antisemitismus den Bericht „The Muslim Brotherhood Across Europe“. Wie exxpress.at berichtet, wird darin Österreich nicht bloß beiläufig genannt, sondern als Staat mit „bedeutender Präsenz“ der Muslimbruderschaft beschrieben. Laut dem Dokument üben deren Mitglieder hierzulande Kontrolle über Moscheen, Gemeindeverbände, islamische Bildungseinrichtungen und Studentenorganisationen aus. Die Netzwerke richteten ihre Aktivitäten gezielt darauf aus, die österreichische muslimische Gemeinschaft, Entscheidungsträger und den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen.
Der Bericht, der auf gov.il abrufbar ist, warnt dabei ausdrücklich nicht vor klassischen Terroranschlägen, sondern vor langfristiger gesellschaftlicher Einflussnahme — dem sogenannten „legalistischen Islamismus“: legal agierend, aber schrittweise demokratische Strukturen unterwandernd.
Wichtig zur Einordnung: Der Bericht stammt von einer Regierungsbehörde eines Staates, der in einem direkten Konflikt mit der Hamas steht, die aus der palästinensischen Muslimbruderschaft hervorgegangen ist. Das Dokument ist ein politischer Bericht, kein unabhängiges Gerichtsurteil, wie exxtra24.at festhält. Namentlich genannte Organisationen bestreiten strukturelle Verbindungen zur Muslimbruderschaft und bezeichnen entsprechende Vorwürfe als politisch motiviert.
Kein Neuland für Österreich
Dass die Muslimbruderschaft in Österreich präsent ist, ist keine neue Erkenntnis. Bereits im österreichischen Parlament liegt ein Regierungsbericht aus dem Jahr 2021 vor, der — gestützt auf eine Studie der Universität Wien und des BVT — festhält: Die Muslimbruderschaft ist in Österreich aktiv und verfügt über „beträchtliche Verbindungen und Einfluss“. Ihre Ziele stünden in eklatantem Widerspruch zu rechtsstaatlichen Werten. Auch die Dokumentationsstelle Politischer Islam (DIP) ortete in einer eigenen Analyse Verbindungen des Wiener und Grazer Vereins Liga Kultur zum Umfeld der Muslimbruderschaft, wie der ORF berichtete — was der Verein selbst bestreitet.
Hungerländer fordert Reaktion — und warnt SPÖ
Für ÖVP-Gemeinderätin und Integrationssprecherin Caroline Hungerländer ist der israelische Bericht ein klarer Weckruf, den die Stadtregierung nicht ignorieren darf. Wie exxpress.at berichtet, sieht sie Wien als „Zentrum des politischen Islams“ — und die SPÖ-Neos-Koalition als untätig. Ihre Warnung an die Stadtregierung ist unmissverständlich: „Dieser Bericht muss SPÖ und Neos aufrütteln. Wenn die SPÖ mit Blick auf Wählerstimmen den Politischen Islam weiterhin hofieren möchte, sei sie gewarnt.“
Als konkrete Beispiele nennt Hungerländer den Besuch eines — von ihr als antisemitisch und Hamas-verehrend bezeichneten — türkischen Politikers der Saadet-Partei in Wien im Jänner sowie AKP-Politiker, die Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Wahlkampf begleiteten.
Der exxpress konfrontierte die Stadt Wien mit dem Bericht und stellte konkrete Fragen zu möglichen Maßnahmen. Eine Antwort aus dem Rathaus blieb bis Redaktionsschluss aus.
Quellen:
- exxpress.at: ÖVP Wien schlägt Alarm — Israel-Bericht warnt vor Muslimbrüdern, Stadt schweigt
- exxpress.at: Israel schlägt Alarm — Muslimbruder-Netzwerk in Europa reicht bis Österreich
- Israelisches Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten: „The Muslim Brotherhood Across Europe“, 26.02.2026 (gov.il)
- exxtra24.at: Israelischer Regierungsbericht warnt vor Muslimbruderschaft-Netzwerken in Europa
- Österreichisches Parlament: Regierungsbericht zur Muslimbruderschaft in Österreich (2021, basierend auf Studie Universität Wien / BVT)
- Dokumentationsstelle Politischer Islam (DIP): Analyse Liga Kultur
- ORF.at: Dokustelle ortet Verbündete der Muslimbrüder in Österreich
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