Nach dem überraschenden Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann fordert der FPÖ-nahe Stiftungsrat Peter Westenthaler eine vorgezogene Wahl des neuen ORF-Chefs. Die Entwicklungen rund um den öffentlich-rechtlichen Sender sorgen für hitzige Debatten.
Rücktritt nach Belästigungsvorwürfen
Roland Weißmann, seit 2022 Generaldirektor des ORF, trat mit sofortiger Wirkung zurück. Grund dafür sind Vorwürfe sexueller Belästigung, die von einer Mitarbeiterin erhoben wurden. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen vehement, wie sein Anwalt betonte. Laut der „Krone“ habe Weißmann den Rücktritt erklärt, um weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Der Stiftungsrat hatte offenbar Druck ausgeübt, um eine schnelle Entscheidung herbeizuführen.
Westenthalers Forderung: „Neuwahlen so rasch wie möglich“
Im Interview mit oe24.TV erklärte Peter Westenthaler, dass eine vorgezogene Wahl des ORF-Generaldirektors die „logische Konsequenz“ sei. Er kritisierte, dass er von Weißmanns Rücktritt erst aus den Medien erfahren habe, und bezeichnete dies als „Skandal im Skandal“. Westenthaler betonte, dass vor einer Neuwahl geprüft werden müsse, ob dies rechtlich möglich sei.
Ingrid Thurnher übernimmt interimistisch
Bis zur Wahl eines neuen Generaldirektors wird Radiodirektorin Ingrid Thurnher den ORF kommissarisch leiten. Thurnher, ein Urgestein des Senders, genießt breite Anerkennung für ihre langjährige Erfahrung in leitenden Positionen. Der Stiftungsrat sieht in ihr eine geeignete Übergangslösung, um Stabilität zu gewährleisten.
Politische Dimensionen und Intrigen
Die Entwicklungen kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt: Im August sollte turnusmäßig der neue Generaldirektor gewählt werden. Weißmann galt als Favorit für eine Wiederwahl. Sein Rücktritt wirft nun Fragen auf, ob politische Intrigen eine Rolle gespielt haben könnten. Laut „Heute“ gibt es im Stiftungsrat zwei große Lager, die von ÖVP und SPÖ dominiert werden. Die FPÖ nutzt die Situation, um ihre Kritik am ORF zu verstärken.
Rechtliche Schritte und Konsequenzen
Weißmanns Anwalt kündigte rechtliche Schritte an, da die mediale Verbreitung der Vorwürfe die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verletze. Der ORF betonte in einer Aussendung, dass die Vorwürfe transparent aufgeklärt werden sollen, um die Glaubwürdigkeit des Senders zu wahren.
Quellen: oe24.at, kurier.at, krone.at, bild.de, heute.at
Credits: APA
Neueste Kommentare