Wessen Krieg? Netanjahu fordert Verbündete — und liefert kaum Antworten

Wessen Krieg? Netanjahu fordert Verbündete — und liefert kaum Antworten

Der Iran-Krieg nimmt eine neue Dimension an — und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nutzt den Moment. Wie ORF.at berichtet, forderte er am Sonntag beim Besuch in der schwer getroffenen Wüstenstadt Arad offen, dass andere Staaten sich dem militärischen Kampf gegen den Iran anschließen sollen. Ein Auftritt, der politisch kalkuliert wirkt: Arad lieferte die Bilder, Netanjahu die Botschaft.

Diego Garcia — ein Argument, das gerade passt

Den schlagkräftigsten Beweis für seine Forderung lieferte diesmal der Iran selbst. Wie das iranische Staatsfernsehen bestätigte und ORF.at sowie der Tagesspiegel berichten, feuerte Teheran erstmals zwei ballistische Raketen auf den US-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean — rund 4.000 Kilometer von der iranischen Küste entfernt, etwa doppelt so weit wie die bislang offiziell bestätigte Reichweite des iranischen Raketenarsenals.

Netanjahu griff das sofort auf: „Sie haben jetzt die Kapazität, tief nach Europa vorzudringen“, sagte er laut Angaben seines Büros. Israels Generalstabschef Ejal Zamir sekundierte, wie der Tagesspiegel berichtet — europäische Hauptstädte wie Berlin lägen nun im Bedrohungsradius. Was beide dabei unerwähnt lassen: Die Raketen trafen laut US-Medien den Stützpunkt nicht.

Mehr als 100 Verletzte — echter Schmerz, politische Bühne

Die humanitäre Dimension ist real. Wie ZDF heute und der Tagesspiegel berichten, wurden bei iranischen Raketenangriffen auf Dimona und Arad am Samstag mehr als 100 Menschen verletzt, elf davon schwer — darunter ein vierjähriges Mädchen. Wohnhäuser wurden massiv beschädigt, Rettungskräfte arbeiteten unter Trümmern.

Netanjahu besuchte Arad am Tag danach — mit klarer Botschaft im Gepäck. „Welchen weiteren Beweis brauchen Sie noch, dass dieses Regime gestoppt werden muss?“, fragte er. Konkrete Staaten, an die er seinen Appell richtete, nannte er dabei nicht.

Hormus-Blockade als Hebel — aber wessen?

Netanjahu wirft dem Iran vor, mit der Blockade der Straße von Hormus „die gesamte Welt zu erpressen“. Was er auslässt: Auch Israels enger Verbündeter Trump setzt seinerseits auf wirtschaftlichen Maximaldrück. Wie der Tagesspiegel berichtet, stellte Trump dem Iran ein 48-Stunden-Ultimatum — bei Nichtöffnung der Meerenge drohte er mit Angriffen auf iranische Kraftwerke. Dass ein Angriff auf zivile Energieinfrastruktur seinerseits völkerrechtlich heikel wäre, bleibt in Netanjahus Narrativ unerwähnt.

Der Konflikt bekann am 28. Februar 2026 mit gemeinsamen US-israelischen Angriffen — ein Krieg, den Netanjahu mitinitiiert hat und nun rhetorisch zur globalen Pflichtaufgabe erklärt. Deutschland signalisierte laut ZDF heute durch Verteidigungsminister Boris Pistorius Zurückhaltung: Eine Beteiligung komme frühestens nach einem Waffenstillstand in Frage.

Quellen:

  • orf.at: Netanjahu: Weitere Länder müssen sich Iran-Krieg anschließen (22.03.2026)
  • tagesspiegel.de: Ein Toter und mehr als 100 Verletzte: Schwere iranische Raketenangriffe auf Israel (22.03.2026)
  • zdfheute.de: Iran-Krieg: Alle Entwicklungen im Liveblog (22.03.2026)
  • watson.ch: Krieg in Nahost: Trump setzt Iran 48-Stunden-Ultimatum (22.03.2026)
  • juedische-allgemeine.de: 60 Verletzte bei weiterem Einschlag in Israel (22.03.2026)
  • timesofisrael.com: Liveblog March 21, 2026 (21.03.2026)
  • wikipedia.org: Irankrieg 2026

Credits: APA

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