Wer zahlt, wird früher operiert? Studie bringt Spitäler in Erklärungsnot

Wer zahlt, wird früher operiert? Studie bringt Spitäler in Erklärungsnot

Wie lange wartet man in Österreich auf eine Hüft- oder Knieoperation? Eigentlich sollten die Bundesländer genau das transparent machen. Ein Vergleich zeigt: Die veröffentlichten Wartelisten sind lückenhaft, teils veraltet und manchmal schlicht widersprüchlich. Gleichzeitig belegt eine neue Studie, dass Geld bei der Vergabe von OP-Terminen offenbar eine Rolle spielt.

Was das Gesetz verlangt

Die Regeln sind klar. Laut Bundes-Krankenanstaltengesetz müssen für bestimmte planbare Eingriffe Wartelisten geführt werden, sobald die Wartezeit vier Wochen übersteigt. Veröffentlicht werden sollen sie pseudonymisiert, und zwar so, dass “die Gesamtanzahl der pro Abteilung für den Eingriff vorgemerkten Personen und von diesen die der Sonderklasse angehörigen vorgemerkten Personen erkennbar” ist. Damit soll sichtbar werden, ob Privatpatienten schneller drankommen.

Neun Länder, neun Systeme

Wie “Heute” unter Berufung auf die “Kronen Zeitung” berichtet, setzen die Länder das sehr unterschiedlich um. Salzburg, Niederösterreich und die Steiermark weisen sowohl die Gesamtzahl der Wartenden als auch die Sonderklassepatienten aus, das Burgenland und Vorarlberg zumindest Angaben zur Sonderklasse. Selbst dort gibt es Schwächen: In Salzburg und Niederösterreich werden Hüft- und Knieprothesen gemeinsam erfasst. Und in Salzburg findet sich ein besonders skurriler Eintrag: null wartende Patienten bei einer ausgewiesenen Wartezeit von sieben Wochen. Oberösterreich und Kärnten nennen nur Wartezeiten, nicht aber die Zahl der Wartenden – in Kärnten stammen die Daten zudem noch aus dem November 2025. Die Wiener Übersicht umfasst nur die Spitäler des Wiener Gesundheitsverbunds, Tirol verweist auf die Websites einzelner Krankenhäuser. Wer vergleichen will, muss sich die Informationen mühsam zusammensuchen.

Studie: Schneller drankommen über die Privatordination

Wie wichtig Transparenz wäre, zeigt eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich. Befragt wurden laut ORF Oberösterreich 810 Personen, die in den vergangenen drei Jahren in einem öffentlichen oder Ordensspital in Oberösterreich operiert worden waren. 13,1 Prozent gaben an, ihnen sei angeboten worden, über den Besuch einer Privatordination schneller einen OP-Termin zu bekommen, 6,1 Prozent nahmen das an. Weitere 9,1 Prozent erhielten das Angebot einer schnelleren Behandlung gegen private Zuzahlung, 2,8 Prozent nahmen es an. Die Beträge lagen laut oe24 zwischen 200 und 8.600 Euro. Wer mehrere private Wege nutzte, wartete im Median 7,5 Wochen, die übrigen Patienten deutlich länger. Nach dem Krankenanstaltengesetz dürfen Termine aber nur nach medizinischen, organisatorischen und sozialen Kriterien vergeben werden.

Spitäler widersprechen

Die oberösterreichischen Krankenhausträger wollen die Studie so nicht stehen lassen. Durch Zuzahlungen seien keine früheren OP-Termine möglich, heißt es laut ORF Oberösterreich. Das Land veröffentlicht die Wartezeiten seit März zentral auf seiner Website, allerdings nur als PDF-Dokument.

Politik in der Pflicht

Die Opposition nimmt Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) in die Pflicht. Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner fordert, sie müsse offenlegen, “warum die Bundesländer die gesetzlich vorgeschriebenen transparenten Wartelisten bis heute nicht umsetzen und warum der Bund nicht längst eingeschritten ist”. FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak sieht in der Studie die Folge “verfehlter Gesundheitspolitik”: Gäbe es die monatelangen Wartezeiten nicht, “würde auch niemand auf die Idee kommen, sich über Privatordinationen einen schnelleren OP-Termin zu sichern”. Ein Nebenbeschäftigungsverbot für Spitalsärzte, das in Medien diskutiert wird, lehnt er allerdings ab – die Ärzte würden dann den öffentlichen Sektor ganz verlassen.

Teilen:
Show Comments (0) Hide Comments (0)
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ihre Meinung? Kommentieren Sie jetzt!x