“Zukunftsdeppat”: Stockers Kinder-Depot erntet Spott im Netz

“Zukunftsdeppat”: Stockers Kinder-Depot erntet Spott im Netz

Der Kanzler feiert, das Netz spottet. Kaum hat die Regierung das “Zukunftsdepot” für Kinder beschlossen, prasselt in den sozialen Medien Kritik auf Christian Stocker ein. Der Vorwurf: Von dem Projekt profitieren vor allem jene, die ohnehin genug Geld haben.

Was beschlossen wurde

Das Zukunftsdepot ist ein Herzensprojekt des Kanzlers, angekündigt im ORF-Sommergespräch, fixiert beim Regierungsgipfel am Samstag. Laut Bundeskanzleramt startet es mit 1. Juli 2027. Für jedes Kind, das ab 1. Jänner 2027 geboren wird, zahlt der Staat einen einmaligen Startbonus von 500 Euro ein. Pro Kind können jährlich bis zu 5.000 Euro angelegt werden, Erträge sind von der Kapitalertragsteuer befreit, entnommen werden kann das Geld ab dem 18. Geburtstag. “Ich möchte, dass Österreich wieder zu einem Land wird, in dem sich unsere Jugend etwas aufbauen kann”, sagte Stocker. Kinder, die vor 2027 geboren wurden, können ebenfalls ein Depot eröffnen, bekommen den Startbonus aber nicht.

“Wo sollen die Eltern das Geld hernehmen?”

Auf Stockers Facebook-Seite fällt die Reaktion vieler Nutzer harsch aus, wie oe24 berichtet. “ÖVP hat Zukunftsdeppat falsch geschrieben”, fasst einer zusammen. Eine andere Nutzerin schreibt, die “normal arbeitende Mittelschicht” werde jährlich 5.000 Euro “mit dem Nettobudget nach eurer Steuerpolitik nicht mal ansatzweise ansparen können”. Ein weiterer fragt schlicht: “Und wo sollen die Eltern das Geld zum Sparen hernehmen?” Eine Userin sieht in dem Depot “eher einen weiteren Schritt zur Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich”. Viele verweisen zudem darauf, dass die Familienbeihilfe derzeit nicht an die Inflation angepasst wird und damit real an Wert verliert.

Volkshilfe: “Staatlich befeuerte Ungleichheit”

Die Kritik kommt nicht nur aus dem Netz. Die Volkshilfe bezeichnete das Zukunftsdepot in einer Stellungnahme laut “Heute” als “staatlich befeuerte Ungleichheit”. Das Argument dahinter ist eine einfache Rechnung: Die 500 Euro bekommen alle gleich, der eigentliche Vorteil liegt aber in der Steuerbefreiung auf die Einzahlungen – und die nützt umso mehr, je mehr eine Familie anlegen kann. Wer jährlich 5.000 Euro einzahlt, profitiert ungleich stärker als eine Familie, die nichts übrig hat. Ähnlich hatten zuvor schon die Grünen argumentiert, die von einem Steuergeschenk für gut situierte Familien sprachen.

Was für das Depot spricht

Die ÖVP verteidigt das Projekt. Familien sollen schon mit kleinen, regelmäßigen Beträgen langfristig Vermögen für ihre Kinder aufbauen können, und Stocker will damit auch das Sparen am Kapitalmarkt in Österreich attraktiver machen. Tatsächlich zeigt sich die Wirkung über die lange Laufzeit: Schon die 500 Euro Startbonus dürften sich laut oe24 bei einer durchschnittlichen Rendite in 18 Jahren mehr als verdoppeln. Wer zusätzlich 100 Euro im Monat einzahlt, käme laut dem Finanzportal finanzenverstehen.at bei einer angenommenen Rendite von sieben Prozent nach 18 Jahren auf rund 44.000 Euro. Unter Stockers Posting finden sich laut oe24 auch lobende Kommentare.

Ein Projekt mit Symbolwert

Für den Kanzler ist das Depot mehr als eine Sparmaßnahme. Es ist das sichtbarste Ergebnis des “Herbsts der Ergebnisse” – und fiel ausgerechnet auf denselben Gipfel, bei dem die Universitäten deutlich weniger Geld bekamen als gefordert. Dass die Kritiker genau diesen Kontrast aufgreifen, dürfte die Regierung noch eine Weile begleiten.

Credits: BKA, Florian Schötter

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