KI-Nacktbilder im EU-Parlament: Fast jede sechste Abgeordnete betroffen

KI-Nacktbilder im EU-Parlament: Fast jede sechste Abgeordnete betroffen

Erst waren es Abgeordnete nationaler Parlamente, jetzt liegen Zahlen zum Europäischen Parlament vor: Laut einer neuen Auswertung der Organisation Agora Digitale Transformation sind 50 EU-Abgeordnete Opfer sexualisierter KI-Fälschungen geworden, 46 davon Frauen. Die Grünen machen mit einem fraktionsübergreifenden Brief Druck auf Kommission und Mitgliedstaaten.

46 von rund 280 Frauen

Wie „Heute“ berichtet, zeigt die Untersuchung erstmals systematisch, wie stark Mitglieder des EU-Parlaments betroffen sind. Bereits Ende September hatte Agora Digitale Transformation 147 Fälle bei Abgeordneten veröffentlicht. Nun kommen 50 EU-Abgeordnete hinzu, darunter 46 Frauen. Damit ist laut Studie etwa jede sechste weibliche EU-Abgeordnete betroffen. Die Zahl lässt sich nachvollziehen: Von den 720 Abgeordneten im EU-Parlament sind seit der Wahl 2024 knapp 40 Prozent Frauen, also rund 280.

Schilling: „Ich bin eine von ihnen“

Unter den Betroffenen ist auch die österreichische Grünen-Abgeordnete Lena Schilling. Ohne Wissen und Zustimmung der Betroffenen würden KI-generierte Nacktbilder erstellt und verbreitet oder ihre Fotos mit einem „Undress her“-Button versehen, beschreibt sie das Problem. „Genau das ist 50 Abgeordneten dieses Parlaments passiert, 46 davon sind Frauen. Ich bin eine von ihnen.“ Ihre Einordnung: „Die Gewalt ist alt, der Modus ist neu. Es geht darum, Frauen zu demütigen, einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen.“ Und: „Was wir heute akzeptieren, müssen vielleicht morgen unsere Töchter ertragen.“

Brief über Fraktionsgrenzen hinweg

Initiiert haben den Brief an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten Grünen-Ko-Vorsitzende Terry Reintke und Schilling. Unterstützt wird er laut „Heute“ auch von den Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten, der Liberalen und der Linken. Kernforderung ist, das EU-weite Verbot sogenannter Nudifier-Apps ab dem 2. Dezember 2026 konsequent durchzusetzen. Außerdem verlangen die Unterzeichner klar geregelte Zuständigkeiten, ausreichend ausgestattete Behörden, eine konsequente Anwendung des Digital Services Act, verbindliche Schutzmaßnahmen bei KI-Unternehmen sowie eine rasche Umsetzung der EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.

Ein Problem weit über die Politik hinaus

Politikerinnen sind nur ein besonders sichtbarer Teil des Problems. Nudifier-Anwendungen, die aus gewöhnlichen Fotos per KI Nacktbilder erzeugen, sind frei im Netz verfügbar und werden auch gegen Privatpersonen eingesetzt. In Österreich will Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) im Rahmen der Reform des Sexualstrafrechts auch Deepfakes rechtlich neu bewerten lassen.


Hinweis: Wenn Sie von sexualisierter Gewalt betroffen sind, finden Sie Hilfe bei der Frauenhelpline gegen Gewalt unter 0800 222 555 (kostenlos, rund um die Uhr), beim Männernotruf unter 0800 246 247, bei Rat auf Draht unter 147 sowie im Notfall bei der Polizei unter 133.

Credits: Parlamentsdirektion/ Ulrike Wieser

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