Wenn Politiker wie Andreas Babler, Sepp Schellhorn und andere von „Qualitätsmedien“ sprechen, klingt das zunächst nach etwas Unantastbarem. Nach Seriosität, Verantwortung, journalistischer Sorgfalt. Nach Medien, denen man vertrauen soll. Doch genau hier beginnt das Problem: Wer definiert eigentlich Qualität – und wer profitiert davon? Und die zweite Frage: Kann ein Andreas Babler überhaupt beurteilen, was ein Qualitätsmedium ist?
In Österreich gilt seit Jahren ein enger Kanon als gesetzt. Namen wie Der Standard, ORF oder Die Presse fallen reflexartig, wenn Politiker von Qualitätsjournalismus sprechen. Andere Medien – vor allem solche, die Regierungshandeln kritisch, zugespitzt oder populär aufgreifen – landen rasch in der Boulevardschublade. Oder schlimmer: im Verdacht der Unseriosität.
Diese Grenzziehung ist bequem. Aber sie ist journalistisch fragwürdig.
Qualität als Haltung – oder als Gesinnung?
Nehmen wir den Standard. Er gilt im politischen Diskurs – besonders auf der linken Seite – als Referenzmedium. Liberal, progressiv, aufgeklärt. Ein Blatt, das sich selbst gerne als Bollwerk gegen Populismus versteht. Doch genau hier lohnt sich die ehrliche Frage: Berichtet der Standard objektiv?
Die Antwort lautet: nein. Und das ist kein Vorwurf – sondern eine Realität des Journalismus.
Der Standard berichtet aus einer klar erkennbaren Weltsicht. Themenauswahl, Wortwahl, Gewichtung, Kommentierung – all das folgt einer redaktionellen Linie. Migration, Klima, Identitätspolitik, soziale Fragen: Die Haltung ist konsistent. Kritische Stimmen werden zwar abgebildet, aber oft gerahmt, eingeordnet, relativiert. Das ist legitim. Aber objektiv ist es nicht.
Gibt es objektiven Journalismus überhaupt?
Die ehrliche Antwort lautet ebenfalls: nein.
Journalismus ist immer Auswahl. Und Auswahl ist immer subjektiv. Schon die Entscheidung, worüber berichtet wird, ist ein Akt der Bewertung. Noch stärker gilt das für Überschriften, Bilder, Tonalität, Platzierung. Objektivität im Sinne neutraler Wirklichkeitsabbildung ist eine Illusion – im Journalismus ebenso wie im täglichen Leben.
Was es geben kann, ist Fairness, Sorgfalt, Trennung von Nachricht und Kommentar, Transparenz über die eigene Haltung. Qualität misst sich nicht daran, ob ein Medium „neutral“ ist, sondern daran, ob es sauber arbeitet, Fakten überprüft, Gegenpositionen korrekt darstellt und Macht kritisch begleitet – unabhängig davon, wer gerade an der Macht ist.
Regierungskritik als Boulevard?
Genau hier kippt der Qualitätsbegriff ins Politische. Medien, die der Regierung unbequem werden, landen auffällig schnell im Verdacht des Boulevards. Zuspitzung gilt dann als unseriös, Emotionalität als gefährlich, Reichweite als verdächtig. Dabei ist Kritik an der Macht kein Boulevardmerkmal – sie ist ein Kernauftrag des Journalismus.
Dass ein Medium laut ist, heißt nicht automatisch, dass es falsch liegt. Und dass ein Medium leise, akademisch und gut formuliert ist, macht seine Perspektive nicht automatisch richtiger.
Der Qualitätsstempel wird in Österreich zu oft als moralische Waffe benutzt: Wer dazugehört, darf kritisieren. Wer draußen steht, wird delegitimiert. Das ist kein Zeichen von Medienvielfalt – sondern von Meinungskorridoren.
Qualität braucht keine Gesinnungsprüfung
Ein echter Qualitätsjournalismus hält Widerspruch aus. Er muss nicht gefallen. Er darf nerven. Er darf anecken – links wie rechts. Vor allem aber darf er nicht zum politischen Schutzschild werden, hinter dem sich Macht versteckt.
Wenn Politiker von Qualitätsmedien sprechen, sollte man daher immer zurückfragen: Meinen sie journalistische Qualität – oder mediale Verlässlichkeit im eigenen Weltbild? Ein Medienbegriff, der nur jene einschließt, die „richtig“ einordnen, ist kein Qualitätsbegriff. Er ist ein politischer.
Und genau deshalb sollten wir vorsichtig sein, wenn das Wort Qualitätsmedium allzu selbstverständlich verwendet wird. Denn echte Qualität erkennt man nicht am Etikett – sondern daran, wie gut ein Medium auch das aushält, was ihm selbst widerspricht.
Credits: APA
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