Das Ende für Benzin und Diesel schien längst beschlossene Sache. Doch nun rudert die Europäische Union massiv zurück. Der Verbrennungsmotor bekommt eine unerwartete Gnadenfrist und darf unter bestimmten Bedingungen auch nach dem Jahr 2035 auf unseren Straßen rollen.
Brüssel kippt das absolute Verbot
Die EU-Kommission plant eine weitreichende Kurskorrektur bei den strengen Klimazielen für Neuwagen. Wie tagesschau.de berichtet, sollen die CO2-Flottenemissionen ab 2035 nicht mehr um 100 Prozent, sondern nur noch um 90 Prozent sinken. Das bedeutet konkret: Auch nach dieser Frist können Hersteller weiterhin neue Autos mit Verbrennungsmotor zulassen, sofern sie die restlichen Emissionen anderweitig ausgleichen, etwa durch den Einsatz von grünem Stahl. EVP-Chef Manfred Weber erklärte dazu laut tagesschau.de, dass das viel diskutierte Technologieverbot für den Verbrenner damit offiziell vom Tisch sei.
Aufatmen bei den Ministern
Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) zeigte sich bei den Diskussionen in Brüssel erleichtert. Wie oe24.at schreibt, betonte Totschnig die enorme Wichtigkeit der Automobilbranche für die heimische Wirtschaft. Es gehe um sehr viele Arbeitsplätze, weshalb Österreich an einer starken Wertschöpfungskette interessiert sei. Man setze auf Technologieoffenheit statt auf strikte Verbote. Auch aus Deutschland kommt Zustimmung. Der deutsche Minister Carsten Schneider (SPD) sieht in den neuen Plänen die dringend notwendige Flexibilität für die Industrie.
Die Wirtschaftszeitschrift wiwo.de ergänzt, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Kehrtwende der EU-Kommission ebenfalls begrüßt. Die grundsätzlichen Klimaziele blieben bestehen, jedoch wähle man nun einen realistischeren Weg.
Kritik von Experten und Verbänden
Doch die neuen Pläne stoßen nicht überall auf Begeisterung. Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, wählte im Gespräch mit deutschlandfunk.de deutliche Worte. Sie verglich den Verbrennungsmotor kurzerhand mit Pferdekutschen – beide hätten keine langfristige Zukunft mehr, weil sie niemand mehr brauche. Auch die Grünen im EU-Parlament warnen laut tagesschau.de davor, dass dieser Schlingerkurs für eine gefährliche Planungsunsicherheit am Wirtschaftsstandort Europa sorge.
Selbst der Verband der Automobilindustrie (VDA) ist nicht restlos glücklich. Wie wiwo.de berichtet, gehen VDA-Präsidentin Hildegard Müller die Zugeständnisse aus Brüssel nicht weit genug. Sie kritisierte den Entwurf als reines Lippenbekenntnis, da die verbleibenden Hürden in der Praxis drohen, wirkungslos zu bleiben. Die großen deutschen Autobauer wie Volkswagen, Mercedes und BMW signalisierten hingegen Zustimmung und sehen in den Plänen einen wirtschaftlich vernünftigen Schritt.
Quellen: oe24.at, tagesschau.de, deutschlandfunk.de, wiwo.de
Credits: APA
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