Weißmann schlägt zurück: Schwere Vorwürfe gegen SPÖ-Stiftungsrat Lederer

Weißmann schlägt zurück: Schwere Vorwürfe gegen SPÖ-Stiftungsrat Lederer

Ein Monat lang schwieg Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Jetzt bricht er sein Schweigen – und zieht gegen Stiftungsratschef Heinz Lederer und den ORF alle Register.

Der Rücktritt: Druck statt freier Entscheidung

Am 8. März 2026 trat Roland Weißmann als ORF-Generaldirektor zurück – nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin wegen sexueller Belästigung aus dem Jahr 2022. Doch wie exxpress.at auf Basis der Darstellung seines Anwalts Oliver Scherbaum berichtet, war es kein freiwilliger Abgang: Weißmann habe nie die konkreten Vorwürfe vollständig zu Gesicht bekommen, eine inhaltliche Überprüfung habe nicht stattgefunden, und dennoch sei ihm vom Stiftungsratspräsidium eine Frist von nur wenigen Tagen gegeben worden. Um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, habe er sich schließlich bereit erklärt zurückzutreten.

Compliance-Prüfung entlastet – ORF kündigt trotzdem

Das Pikante: Eine interne Untersuchung der ORF-Compliance-Abteilung kam zu einem für Weißmann weitgehend entlastenden Ergebnis. Wie oe24 berichtet, stellte das Gutachten fest, dass keine sexuelle Belästigung im rechtlichen Sinn vorgelegen habe. Der ORF kündigte Weißmann dennoch – mit der Begründung, jeder Anschein unangemessenen Verhaltens durch eine Führungskraft sei zu vermeiden. Laut der Salzburger Nachrichten reagierte ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher knapp: Der Vorwurf der sexuellen Belästigung sei damit zwar „vom Tisch“, das Dienstverhältnis aber beendet. Weißmanns Anwalt nennt das gegenüber oe24 einen „durchschaubaren Versuch, trotz klarer Entlastung ein Fehlverhalten zu konstruieren.“

Weißmann erhebt Vorwürfe gegen Lederer persönlich

Nun bricht Weißmann in Gesprächen mit Verleger Christian W. Mucha erstmals öffentlich sein Schweigen – und richtet den Blick direkt auf SPÖ-Stiftungsratschef Heinz Lederer. Wie oe24 berichtet, wirft Weißmann Lederer vor, versucht zu haben, zu intervenieren, damit bestimmte Produktionsfirmen ORF-Aufträge erhalten. Das habe Weißmann verhindert. Lederer soll daraufhin gedroht haben, er werde dann eben nicht mehr Generaldirektor sein. Ein Mitarbeiter Weißmanns habe das Gespräch mitgehört, es existiere eine Aktennotiz.

Beschwerde bei der KommAustria

Parallel dazu gehen die von der FPÖ nominierten Stiftungsräte Peter Westenthaler und Christoph Urtz juristisch gegen Lederer und seinen Stellvertreter Gregor Schütze vor. Wie vienna.at berichtet, reichten sie Anfang April Beschwerde bei der Medienbehörde KommAustria ein. Der Kern des Vorwurfs: Lederer und Schütze hätten Weißmann unter Druck gesetzt, um einen formellen Abberufungsbeschluss des Stiftungsrats zu umgehen – für den keine gesicherte Zweidrittelmehrheit bestanden hätte. Lederer weist alle Vorwürfe zurück.

Millionenklage und Strafanzeige angekündigt

Weißmann kündigt laut oe24 an, sämtliche rechtlichen Ansprüche konsequent zu verfolgen – darunter das Gehalt für eine geplante Wiederwahl im August über weitere vier Jahre. Bei einem Jahresbruttogehalt von rund 430.000 Euro könnte das eine Forderung von mehr als drei Millionen Euro bedeuten. Zusätzlich hat er laut exxtra24.at seinen Strafverteidiger Norbert Wess beauftragt, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien einzubringen. Der Verdacht: strafrechtlich relevantes Verhalten mehrerer beteiligter Personen im Zuge seines erzwungenen Rücktritts. Die Causa Weißmann ist noch lange nicht zu Ende.

Credits: APA

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