AfD-Chefin Alice Weidel übt überraschend scharfe Kritik an Wladimir Putin und sorgt damit für reichlich Wirbel in den eigenen Reihen. An der sonst so russlandfreundlichen Parteispitze zeigen sich erste Risse in der Außenpolitik.
Weidel brach mit der bisherigen Linie ihrer Partei. „Ich glaube, dass auch Russland dazu aufgerufen ist, sich deeskalierend zu verhalten“, erklärte sie und legte nach: „Irgendwo muss sich Putin irgendwann bewegen.“ Das sind völlig neue Töne von der AfD-Spitze, der bisher oft vorgeworfen wurde, die russische Aggression zu verharmlosen.
Kalkül oder echter Kurswechsel?
Was steckt hinter diesem plötzlichen Sinneswandel? Wie die Bild.de berichtet, würde es sich bei Weidels Äußerungen um ein kalkuliertes strategisches Manöver handeln. Das Ziel sei, die AfD für die politische Mitte und potenzielle Koalitionspartner wie die Union anschlussfähiger zu machen. Der Politikexperte Benjamin Höhne analysierte gegenüber Bild.de, dass Weidel mit dieser unerwarteten Putin-Kritik versuche, „Anschlussfähigkeit zur politischen Mitte, zur Union herzustellen“.
Der Zeitpunkt ist besonders brisant. Nur wenige Augenblicke vor Weidels Statement hatte ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla die Nato-Luftraumverletzungen durch Russland noch als „sogenannte Drohnenüberflüge“ abgetan und die Aggression kleingeredet. Ein Widerspruch auf offener Bühne, der eine wachsende Kluft an der Parteispitze offenbart.
Interne Reaktionen und strategische Neuausrichtung
Bild.de erfuhr aus Parteikreisen, dass Weidels scharfes Statement nicht mit dem Fraktionsvorstand abgestimmt war. Alleine scheint sie mit ihrer Meinung aber nicht zu sein. Ein Teil der Fraktion soll frustriert über Chrupallas außenpolitische Äußerungen sein und Weidels Kurskorrektur unterstützen.
Aus Weidels Umfeld heißt es, sie sei besonders besorgt über Berichte russischer Luftraumverletzungen in Estland. Die Befürchtung sei, dass solche Aktionen die Friedensbemühungen von US-Präsident Donald Trump gefährden könnten. „Man sollte die Geduld von Donald Trump nicht auf die Probe stellen“, warnte Weidel und positionierte sich damit als Unterstützerin seiner diplomatischen Initiativen.
Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Markus Frohnmaier, lobte ihre Aussage und erklärte gegenüber Bild.de: „Frau Weidel spricht einen wichtigen Punkt an, ohne Kompromissbereitschaft von beiden Seiten wird es keine nachhaltige Lösung geben.“ Diese Unterstützung deutet darauf hin, dass Weidels Wende, obwohl überraschend, Teil einer größeren strategischen Neuausrichtung innerhalb der AfD sein könnte, während die Partei ihr komplexes Verhältnis zu Russland und dem Westen neu justiert.
Credits: APA
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