St. Pölten – Die Diskussion um die Verlängerung des Wehrdienstes in Österreich nimmt Fahrt auf. Brigadier Georg Härtinger, Militärkommandant von Niederösterreich, hat sich klar positioniert: Sechs Monate Grundwehrdienst reichen nicht aus, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. „Moderne Gefechtsführung, Drohnen und digitale Systeme erfordern mehr Zeit für eine fundierte Ausbildung“, erklärte Härtinger bei einer Veranstaltung in St. Pölten.
„Österreich-plus“-Modell im Fokus
Die von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eingesetzte Wehrdienstkommission schlägt eine Verlängerung auf acht Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate verpflichtende Milizübungen vor. Dieses sogenannte „Österreich-plus“-Modell soll die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres stärken. Laut Härtinger sei dies notwendig, um die Landesverteidigung zu gewährleisten. „Das Zusammenspiel aller Elemente kann in sechs Monaten nicht ausreichend trainiert werden“, betonte er.
Volksbefragung? „Wenig sinnvoll“
Härtinger sprach sich zudem gegen eine von Bundeskanzler Christian Stocker ins Spiel gebrachte Volksbefragung aus. „Die Entscheidung muss von der Politik getroffen werden“, so der Militärkommandant. Auch die Wehrdienstkommission drängt auf rasches Handeln: „In einer Phase der Polykrisen ist politisches Handeln gefordert“, erklärte der Vorsitzende Erwin Hameseder.
Stellungspflicht für Frauen?
Ein weiteres heißes Thema ist die mögliche Ausweitung der Stellungspflicht auf Frauen. Die Kommission regt an, eine verpflichtende Gesundheitsuntersuchung für Frauen zu prüfen. Während einige Politiker dies befürworten, bleibt die Umsetzung umstritten. Ministerin Tanner lehnt eine Wehrpflicht für Frauen ab, solange keine völlige Gleichberechtigung erreicht sei.
Kritik und Unterstützung
Die Verlängerung des Wehrdienstes stößt auf gemischte Reaktionen. Während die FPÖ und das Rote Kreuz die Pläne unterstützen, äußern sich die Neos skeptisch. Auch die Bundesjugendvertretung kritisiert die Verlängerung als „Rückschritt“. Eine repräsentative Umfrage zeigt jedoch, dass 51 Prozent der Bevölkerung eine Verlängerung befürworten.
Quellen: oe24.at, noen.at, meinbezirk.at, derstandard.at, diepresse.com
Credits: APA
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