Wehrdienst-Überraschung: Zahlen steigen leicht an – aber das Heer hat Nachwuchssorgen

Wehrdienst-Überraschung: Zahlen steigen leicht an – aber das Heer hat Nachwuchssorgen

Trotz geburtenschwacher Jahrgänge entscheiden sich wieder mehr junge Männer für das Bundesheer. Verteidigungsministerin Tanner jubelt über den Trend, doch die nackten Zahlen zeigen auch: Es gibt noch viel zu tun.

Es ist ein Hoffnungsschimmer für die Truppe: Das Österreichische Bundesheer verzeichnete im Jahr 2024 einen leichten Anstieg bei den Grundwehrdienern. Wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) in einer aktuellen Aussendung bekannt gab, entschieden sich von den 28.778 tauglichen Männern rund 16.361 für den Dienst an der Waffe. Das entspricht einer Quote von 57 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr davor lag dieser Wert noch bei 54 Prozent.

Tanner sieht darin eine klare Bestätigung für den eingeschlagenen Kurs. Die Ministerin betont, dass der Wehrdienst „nach wie vor als sinnvoller Beitrag zur Sicherheit des Landes wahrgenommen wird“. Doch ein genauerer Blick auf die Statistik zeigt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Taugliche werden weniger, Untaugliche mehr

Während die Quote der Wehrdienst-Willigen steigt, macht die Demografie dem Heer einen Strich durch die Rechnung. Die absoluten Zahlen der Tauglichen sinken. Laut oe24 gab es zwar in den Jahren 2017 und 2018 mit knapp 16.800 Rekruten noch mehr Zulauf, damals profitierten die Kasernen aber von geburtenstärkeren Jahrgängen.

Alarmierend ist der Trend bei der Fitness der Jugend: Wie das Bundeskanzleramt in einer Bilanz bereits für das Vorjahr feststellte, nehmen die Untauglichkeits-Bescheinigungen zu. Verteidigungsministerin Tanner mahnte bereits in der Vergangenheit, dass es „unser aller Anliegen sein muss, dass die junge Generation wieder gesünder und fitter wird“.

Einrückungen auf niedrigem Niveau

Die tatsächliche Zahl der eingerückten Rekruten bleibt das Sorgenkind. Zwar traten 2024 mit 14.661 Grundwehrdienern um 345 mehr junge Männer ihren sechsmonatigen Dienst an als im Vorjahr, doch historisch gesehen ist das wenig. Diese Werte sind die niedrigsten der letzten zehn Jahre. Zum Vergleich: 2015 stürmten noch über 19.000 Rekruten die Kasernen.

Immerhin: Bei den Freiwilligenmeldungen geht es leicht bergauf. Hier verzeichnete das Heer einen Zuwachs von 0,5 Prozentpunkten.

Frauen-Power in der Kaserne

Ein echter Lichtblick ist der wachsende Anteil an Frauen. Seit der Einführung des freiwilligen Grundwehrdienstes für Frauen im Jahr 2023 steigt das Interesse spürbar. Wie die Salzburger Nachrichten (SN) unter Berufung auf die APA berichten, haben sich 2024 insgesamt 213 Frauen für diesen Weg entschieden. Insgesamt wuchs der Anteil der Soldatinnen damit auf über 800 an. Ein wichtiger Schritt, auch wenn der Frauenanteil in der Miliz mit 0,4 Prozent noch immer verschwindend gering ist.

Einsätze am Limit: Von Hochwasser bis Grenze

Dass jeder Mann und jede Frau gebraucht wird, zeigt die Einsatzbilanz des Jahres 2024 eindrucksvoll. Die Truppe war im Dauereinsatz. Wie Puls24 berichtet, leisteten über 2.100 Soldaten Hilfe bei Katastrophen. Besonders gefordert war das Heer beim verheerenden Waldbrand in der Steiermark und beim Hochwasser in Niederösterreich im September.

Auch an der Grenze und im Ausland ist die Belastung hoch. Rund 4.000 illegale Grenzübertritte wurden festgestellt, während durchschnittlich 620 Soldaten in internationalen Missionen, vor allem am Balkan, ihren Dienst verrichteten.

Die Debatte um eine mögliche Verlängerung der Wehrpflicht oder ein neues Modell („8 plus 2“) sorgt indes weiter für Zündstoff in der Politik. Während Experten warnen, sieht die Ministerin das Heer als „strategische Reserve Österreichs“ gut aufgestellt – vorausgesetzt, der leichte Aufwärtstrend bei den Rekruten hält an.

Quellen: oe24, Salzburger Nachrichten (SN), Puls24, Bundeskanzleramt
Credits: APA

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