Um der eskalierenden Gewalt durch Drogenbanden entgegenzuwirken, hat die südfranzösische Stadt Nîmes eine nächtliche Ausgangssperre für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verhängt. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, gilt die Maßnahme zwischen 21.00 und 6.00 Uhr in mehreren Brennpunktvierteln – vorerst für zwei Wochen.
Der zuständige Sicherheitsbeauftragte Richard Schieven erklärte, man wolle damit „Minderjährige schützen, die nichts mit dem Drogenhandel zu tun haben, aber auch Kinder, die teils mit zwölf oder 13 Jahren von Drogenhändlern eingesetzt werden“. Es gehe darum, die Bevölkerung zu schützen und zu verhindern, „dass jemand versehentlich von einer Kugel getroffen wird“, sagte Schieven gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
In der Vergangenheit war es in der Stadt immer wieder zu Schusswechseln zwischen rivalisierenden Migranten-Banden gekommen. Ein besonders tragischer Fall ereignete sich vor zwei Jahren, als ein zehnjähriger Bub durch eine Kugel schwer verletzt wurde. Erst am Donnerstag kam es erneut zu einer Schießerei. In sozialen Medien kursieren inzwischen auch Videos, die schwerbewaffnete Bandenmitglieder mit Sturmgewehren auf offener Straße zeigen.
Polizei verstärkt Präsenz – Kritik von Gewerkschaft
Zusätzlich zur Ausgangssperre kündigte der Präfekt von Nîmes den verstärkten Einsatz von Polizeikräften an. In einzelnen Vierteln bleiben Sozialzentren und Apotheken aus Sicherheitsgründen geschlossen. Ein 33-jähriger Anwohner äußerte gegenüber Medien: „Hier herrscht Angst.“ Früher hätten die Jugendlichen mehr Freizeitangebote gehabt, heute bliebe vielen nur das „Herumlungern“. Statt Repression fordert er mehr finanzielle Mittel für soziale Maßnahmen.
Auch aus den Reihen der Polizei kommt Kritik. Wissem Guesmi von der Polizeigewerkschaft Unité bezeichnete die Ausgangssperre als „keine dauerhafte Lösung“. Straftäter ließen sich davon kaum beeindrucken – zumal viele der Taten tagsüber verübt würden.
Frankreich unter Druck: Gewalt durch Drogenbanden nimmt zu
Immer wieder erschüttern Gewalttaten durch Drogenclans und Migrantengruppen Frankreich. Im Juni kam es beim Musikfestival „Fête de la Musique“ zu schweren Ausschreitungen – exxtra24 berichtete. Bereits im April attackierten Mitglieder von Drogenbanden mehrere Gefängnisse und Privatwohnungen von Justizbeamten. Für internationale Schlagzeilen sorgte im Mai 2024 die blutige Befreiung des Drogenbosses Mohamed A. während eines Gefangenentransports. Zwei Justizbeamte wurden dabei erschossen. Die Täter sind weiterhin flüchtig.
Symbolbild: APA
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