EVP-Chef Manfred Weber hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ einen brisanten Vorstoß für eine gemeinsame europäische Armee gemacht. Sein Hauptargument: Europa müsse sich absichern, bevor rechte Parteien in einzelnen Mitgliedstaaten die Macht übernehmen.
Der Auftritt bei Illner
Am 19. Februar 2026 diskutierte Weber im ZDF gemeinsam mit Bundesaußenminister Johann Wadephul und Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer über die Frage, ob Deutschland ohne die USA gegen Russland stark genug sei. Wie exxpress.at berichtet, nutzte Weber die Sendung für einen klaren Vorstoß: Europa brauche eine eigene Armee – und zwar rasch, bevor sich die politischen Verhältnisse in einzelnen Mitgliedstaaten verschieben.
Seinen Vorstoß begründete Weber konkret mit dem Aufstieg der AfD. Beim Besuch im griechischen Parlament habe man ihn gefragt: Was passiert, wenn Deutschland die größte Landarmee Europas aufbaut, während die AfD bei 25 bis 30 Prozent steht? Aktuell liegt die Partei laut Umfragen bei 24 bis 27 Prozent – nahezu gleichauf mit der Union.
„Unumkehrbar“ – das Kohl-Mitterrand-Modell für die Verteidigung
Weber zieht dabei den historischen Vergleich zu Helmut Kohl und François Mitterrand, die mit dem gemeinsamen Binnenmarkt und dem Euro bewusst irreversible Fakten geschaffen hatten. Genau das müsse jetzt auch bei der Verteidigung passieren: Militärische Strukturen, die selbst bei einem Regierungswechsel in Paris oder Warschau nicht mehr rückgängig gemacht werden können.
Weber nennt konkrete Szenarien: Was, wenn Jordan Bardella vom Rassemblement National 2027 die französische Präsidentschaft übernimmt? Was, wenn Jarosław Kaczyński von der PiS in Polen zurückkehrt? Europa müsse sich jetzt vorbereiten – noch während pro-europäische Regierungen an der Macht sind.
Der Lissabon-Vertrag als Grundlage
Die rechtliche Basis für seinen Plan liegt bereits im EU-Recht. Wie Weber bereits in einem Gastbeitrag auf seiner Website im Juni 2025 ausführte, soll Artikel 42.7 des Lissabon-Vertrags – die sogenannte EU-Beistandsklausel – endlich mit Leben erfüllt werden. Diese Klausel verpflichtet alle Mitgliedstaaten seit 2009, einem angegriffenen EU-Staat mit allen verfügbaren Mitteln beizustehen. Weber sieht sie sogar als schärfer formuliert als den NATO-Beistand nach Artikel 5.
Sein Ziel: gemeinsame Kommandostrukturen, gemeinsame Rüstungsbeschaffung, Soldaten unter EU-Flagge. Nationale Lösungen seien gescheitert, die „alte NATO“ komme nicht zurück.
Scharfe Kritik von rechts
Webers Auftritt löste prompt Widerspruch aus. Der Berliner Politiker Julian Adrat warf dem EVP-Chef auf X vor, Deutschland in einem europäischen Superstaat aufgehen lassen zu wollen. Der Vorwurf: Weber wolle nicht Europa stärken, sondern nationale Demokratien aushebeln – indem er Entscheidungen nach Brüssel verlagert, die dann durch Wahlergebnisse in einzelnen Ländern nicht mehr veränderbar sind.
Quellen: exxpress.at, ZDF-Presseportal, manfredweber.eu (Gastbeitrag „Warum wir eine europäische Armee brauchen“, 3. Juni 2025)
Credits: APA
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