Wasser predigen, Wein trinken: Kammern genehmigen sich fette Gehaltserhöhungen

Wasser predigen, Wein trinken: Kammern genehmigen sich fette Gehaltserhöhungen

Während Arbeitgebervertreter unermüdlich Lohnzurückhaltung predigen, sorgt die Wirtschaftskammer selbst für einen Paukenschlag der besonderen Art. Die Gehälter der eigenen Angestellten werden um satte 4,2 Prozent erhöht – ein Wert, der in der aktuellen Lohnrunde seinesgleichen sucht. Es entsteht der Eindruck, dass für andere gespart werden soll, während man sich selbst großzügig bedient.

Ein Vergleich, der für Zündstoff sorgt

Wie die „Krone“ berichtet, ist die Wirtschaftskammer mit ihrem Plus von 4,2 Prozent absoluter Spitzenreiter in diesem Herbst. Ein Blick auf die Zahlen, die das industrienahe Medium Selektiv aufbereitet hat, zeigt die Dimensionen: Auf Platz zwei folgt die Arbeiterkammer, die ihren Angestellten immerhin noch eine Erhöhung von 2,9 Prozent gönnt. Weit abgeschlagen wirken dagegen andere Abschlüsse. Die Metaller, die oft den Takt für die Lohnverhandlungen vorgeben, einigten sich auf magere 1,41 Prozent, die als „Krisenabschluss“ bezeichnet wurden.

Auch andere Bereiche müssen den Gürtel enger schnallen. Die staatsnahe Bahnbranche erhält 2,7 Prozent, während Pensionisten sich mit 2,25 Prozent begnügen müssen. Besonders sparsam zeigt sich die Landwirtschaftskammer, die mit einem Plus von nur 1,5 Prozent haushaltet. Die Beamten erhalten ebenfalls nur 1,5 Prozent.

Die umstrittene Formel hinter dem Geldregen

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz? Laut dem Bericht der „Krone“ ist die Erhöhung bei der Wirtschaftskammer nicht das Ergebnis zäher Verhandlungen, sondern das Resultat einer fixen Berechnungsformel. Diese orientiert sich stark an den hohen KV-Abschlüssen des Vorjahres. Pikant dabei: Diese Formel wurde einst von fast allen Fraktionen in der Kammer gemeinsam beschlossen.

Obwohl die Erhöhungen über die letzten zehn Jahre im Schnitt nicht höher gewesen sein sollen als in anderen Branchen, ist der Zeitpunkt der aktuellen Anpassung äußerst ungünstig. Vor allem Unternehmer, die die Kammer mit ihren Pflichtbeiträgen finanzieren, zeigen sich verärgert. Aus ihren Beiträgen werden die Gehälter der über 5800 Kammer-Mitarbeiter bezahlt. Von der Gewerkschaft hingegen gibt es Lob – mit der Hoffnung, die Wirtschaftskammer möge sich dieses Niveau auch bei den laufenden KV-Verhandlungen zum Vorbild nehmen.

Credits: APA

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