Diplomatisches Angebot trifft auf Kriegsrealität: Die USA haben dem Iran über Pakistan einen detaillierten Vorschlag zur Beendigung des seit fast vier Wochen andauernden Kriegs im Nahen Osten übermittelt. Wie die New York Times unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Regierungsbeamte berichtet, enthält das Dokument 15 Punkte — und verlangt Teheran dabei erhebliche Zugeständnisse ab.
Was die USA fordern
Die Forderungsliste hat es in sich. Wie Axios und die New York Times übereinstimmend berichten, verlangen die USA unter anderem die Zerstörung zentraler Anlagen des iranischen Atomprogramms, einen vollständigen Stopp der Urananreicherung sowie das Ende der Produktion ballistischer Raketen. Zudem soll der Iran seinen gesamten Bestand an hoch angereichertem Uran — laut Berichten rund 440 bis 450 Kilogramm — an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) übergeben. Anlagen wie Natanz, Isfahan und Fordow sollen demnach stillgelegt werden. Außerdem fordert Washington die sofortige Wiedereröffnung der Straße von Hormuz.
Im Gegenzug, wie i24NEWS berichtet, winken dem Iran vollständige Sanktionserleichterungen, die Unterstützung für ein ziviles Atomprogramm in Bushehr sowie der Verzicht auf den sogenannten Snapback-Mechanismus zur Wiedereinführung internationaler Sanktionen.
Trump: „Sie wollen einen Deal — unbedingt“
US-Präsident Donald Trump zeigte sich im Oval Office öffentlich optimistisch. Wie CNBC berichtet, erklärte Trump, die USA befänden sich „gerade jetzt in Verhandlungen“ und Iran wolle einen Deal „so dringend, wie man es sich kaum vorstellen kann.“ An den Gesprächen beteiligt seien laut Trump Außenminister Marco Rubio, Vizepräsident JD Vance sowie Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Wie Axios meldet, habe Witkoff dem Präsidenten zudem mitgeteilt, die Iraner hätten bei mehreren zentralen Punkten bereits zugestimmt — darunter die Aufgabe ihrer Bestände an angereichertem Uran. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben bislang nicht.
Teheran dementiert — und kontert mit Maximalforderungen
Offiziell bestreitet der Iran jede Verhandlung. Wie die Associated Press berichtet, erklärte Irans Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf öffentlich, es gebe keinerlei Gespräche mit Washington. Gleichzeitig haben die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) laut Wall Street Journal ihrerseits einen Gegenentwurf vorgelegt — mit Forderungen, die in Washington kaum auf Zustimmung stoßen dürften: Abzug aller US-Militärstützpunkte rund um den Persischen Golf sowie die Einführung einer Mautgebühr für Schiffe, die die Straße von Hormuz passieren wollen.
Die strategische Bedeutung dieser Meerenge ist enorm: Wie das US-Kongress-Forschungsbüro (CRS) festhält, laufen durch sie rund 27 Prozent des weltweiten Seehandels mit Rohöl und Erdölprodukten. Seit dem iranischen Angriffsstopp Anfang März ist der Schiffsverkehr laut CRS weitgehend zum Erliegen gekommen, der Ölpreis hat zeitweise die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten.
Israel skeptisch, Pakistan als Vermittler
Wie Axios berichtet, wurde auch Israel über den 15-Punkte-Plan informiert — reagierte aber wenig begeistert. Premierminister Benjamin Netanyahu befürchte demnach, Trump könnte einen Teildeal akzeptieren, der Israels Interessen nicht vollständig abdecke und künftige Militäroperationen einschränke. Israelische Geheimdienstkreise zweifeln zudem daran, ob Teheran tatsächlich die Zugeständnisse gemacht hat, die Washington behauptet.
Pakistan positioniert sich unterdessen als aktiver Vermittler: Premierminister Shehbaz Sharif bot laut AP öffentlich an, Verhandlungen zwischen beiden Seiten auszurichten. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron meldete sich zu Wort: Er habe mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian gesprochen und ihn aufgefordert, sich in gutem Glauben an Deeskalationsgespräche zu beteiligen, wie Macron auf der Plattform X mitteilte.
Truppenverlegung als Druckmittel
Parallel zur Diplomatie rüstet Washington militärisch auf. Wie die AP berichtet, werden mindestens 1.000 Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten verlegt — als Ergänzung zu den bereits rund 50.000 US-Soldaten in der Region. Hinzu kommen laut AP zwei Marine Expeditionary Units mit rund 5.000 Marines. Die 82. Luftlandedivision gilt als Schnelleinsatztruppe, die über feindlichem Gebiet mit Fallschirmen abspringen und strategische Schlüsselpunkte sichern kann.
Trump hat sein Ultimatum, iranische Kraftwerke zu bombardieren, vorerst um fünf Tage ausgesetzt — als Zeichen, dass das diplomatische Fenster noch offen ist. Offen bleibt, ob Teheran es nutzen will.
Quellen:
- oe24.at: USA legen Mullahs 15-Punkte-Plan für Kriegsende vor
- New York Times: U.S. sent Iran a 15-point plan to end the war
- Axios: U.S. awaits Iran response on summit to end war as Israel watches warily
- CNBC: Trump says US in negotiations with Iran ‚right now‘
- Associated Press (AP): Trump administration offers 15-point ceasefire plan to Iran
- Wall Street Journal: Iran’s IRGC counter-demands
- i24NEWS: Washington proposes 15-point plan to Tehran
- CRS (Congressional Research Service / congress.gov): Iran Conflict and the Strait of Hormuz
- Euronews: Iran droht mit Angriffen auf Energieinfrastruktur von US-Stützpunkten
Credits: APA
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