Was für ein Zeichen: Bundesverband eMobilität ist pleite

Was für ein Zeichen: Bundesverband eMobilität ist pleite

Der Bundesverband eMobilität (BEM) hat überraschend Insolvenz angemeldet. Die Nachricht kommt in einer Zeit, in der die E-Mobilität in Deutschland ohnehin mit Rückschlägen zu kämpfen hat – etwa durch schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur, unsichere Förderpolitik und eine gedämpfte Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.

Wie aus einem Eintrag beim Insolvenzgericht Berlin-Charlottenburg hervorgeht, wurde bereits ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Auf Anfrage wollte BEM-Vorstand Markus Emmert, der zugleich Geschäftsführer der verbandseigenen Akademie GmbH ist, keine Stellungnahme abgeben.

Der Verband wurde 2009 gegründet und versteht sich als Interessenvertretung der Elektromobilitätsbranche in Deutschland. Nach eigenen Angaben vertritt der BEM 450 Unternehmen mit einem kombinierten Umsatz von über 100 Milliarden Euro und mehr als einer Million Beschäftigten weltweit. Zu den Mitgliedern zählten neben internationalen Herstellern wie Kia und Mitsubishi vor allem mittelständische Zulieferer, Ladeinfrastrukturbetreiber, Energieversorger und Beratungsunternehmen.

Auch politisch war der Verband gut vernetzt: In seinem parlamentarischen Beirat saßen Vertreter verschiedener Parteien, darunter der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar sowie Felix Schreiner, aktueller parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag.

Doch intern rumorte es offenbar schon länger: Bereits vor einem Jahr musste Gründungspräsident Kurt Sigl laut Medienberichten den Verband verlassen – angeblich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur künftigen Ausrichtung und Unstimmigkeiten bei internen Abläufen.

Elektromobilität stagniert – Zahlen aus Deutschland und Österreich

Die Insolvenz des BEM fällt in eine Phase, in der Elektromobilität politisch gewollt, aber wirtschaftlich unter Druck steht. Auch wenn die Zahl der Elektroautos wächst, liegt ihr Anteil noch immer deutlich hinter den politischen Zielen.

Deutschland (Stand: Anfang 2025)

  • Zugelassene reine Elektrofahrzeuge (BEV): 1,5 Millionen
  • Plug-in-Hybride (PHEV): 1,3 Millionen
  • Verbrenner (Benzin/Diesel): 43 Millionen
  • Anteil E-Fahrzeuge gesamt: 6,2 % der zugelassenen Pkw

Österreich (Stand: Anfang 2025)

  • Zugelassene reine Elektrofahrzeuge (BEV): 160.000
  • Plug-in-Hybride (PHEV): 80.000
  • Verbrenner (Benzin/Diesel): 5 Millionen
  • Anteil E-Fahrzeuge gesamt: 4,6 % der Pkw-Flotte

Trotz steigender Zulassungszahlen bleibt die Marktdurchdringung gering, insbesondere auf dem Land – wo Ladeinfrastruktur fehlt und Kaufanreize reduziert wurden. Hinzu kommt: Die zuletzt sinkende Kaufprämie für E-Autos sowie die teils höheren Betriebskosten durch Strompreise dämpfen die Nachfrage.

Credit: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x