Was für „Abschreckung“! Nur wenige Monate Haft für Terror-Fan (15), der am Westbahnhof töten wollte

Was für „Abschreckung“! Nur wenige Monate Haft für Terror-Fan (15), der am Westbahnhof töten wollte

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen fand heute im Wiener Landesgericht der Prozess gegen einen 15-jährigen Schüler aus Wien-Währing statt, der einen islamistisch motivierten Terroranschlag auf den Wiener Westbahnhof geplant hatte. Obwohl ihm eine hohe Gewaltbereitschaft attestiert wird, könnte der Jugendliche bereits im Oktober – oder sogar früher – wieder aus der Haft entlassen werden.

Der Fall hat nicht nur wegen des Alters des Angeklagten für Aufsehen gesorgt, sondern auch wegen der erschreckenden Tiefe seiner Radikalisierung. Der zierliche Bursche, der vor Gericht kindlich wirkte und in einem hellblauen Hemd auftrat, hatte konkrete Anschlagspläne und war über radikale Telegram-Gruppen mit einem mutmaßlichen IS-Kontaktmann in Verbindung.

Der heute 15-jährige Wiener mit türkischen Migrationshintergrund war geständig: Bereits mit 13 wandte er sich der Ideologie des sogenannten „Islamischen Staates“ zu, recherchierte online nach Bombenbau-Anleitungen, fertigte Notizen an und bestellte über das Internet eine Schusswaffe – die jedoch nie geliefert wurde. Im Jänner 2025 plante er, einem Verkehrspolizisten die Dienstwaffe zu entreißen, ihn zu erstechen und anschließend Passanten zu erschießen.

Schließlich rückte der Wiener Westbahnhof in seinen Fokus: Ein namentlich bekannter IS-Kontaktmann soll ihn über Online-Chats zu einem Anschlag motiviert haben, den der Angeklagte für den Sommer 2025 zugesichert habe. Bei einer Hausdurchsuchung – ausgelöst durch einen ausländischen Geheimdienst – wurden die Pläne entdeckt.

Staatsanwalt: Verheerendes Gesamtbild

Die Staatsanwaltschaft sprach von einem „verheerenden Gesamtbild“ und einer „hohen Gewaltbereitschaft“. Dennoch verurteilte das Gericht den Jugendlichen zu zwei Jahren Haft, von denen nur acht Monate unbedingt zu verbüßen sind – nicht rechtskräftig. Da er bereits fünf Monate in U-Haft verbracht hat, könnte er laut seiner Verteidigerin Anna Mair schon im August entlassen werden – spätestens aber im Oktober. Voraussetzung ist die Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm und die Aufnahme einer geregelten Beschäftigung.

Vor Gericht gab der Schüler erschütternde Einblicke in seinen Weg zur Radikalisierung. Über TikTok sei er auf einschlägige Inhalte gestoßen und in Chatgruppen gelockt worden, in denen er sich zunehmend radikalisierte. „Ich hatte Angst vor der Hölle. Das Gebet ist der Schlüssel zum Paradies. Dafür soll man auch ein Kämpfer sein“, sagte er vor dem Richter.

Auch seine persönliche Geschichte spielte offenbar eine Rolle. Der Bursche berichtete von Mobbing in der Schule, davon, dass er beim Beten gefilmt und eingesperrt wurde. Seine Eltern seien keine strenggläubigen Muslime, Lehrer hätten seine zunehmende Religiosität kommentiert: „Wir sind nicht in Saudi-Arabien, dass wir uns hier Tausend Mal hinknien und beten.“

In der Haft sei er erneut in Konflikt geraten, etwa mit einem Lehrer wegen religionskritischer Äußerungen. Trotzdem betonte der Jugendliche vor Gericht: „Es war ein sehr großer Fehler.“ Auf die Frage, ob er bereit gewesen sei, für seinen Plan zu sterben, antwortete er: „Ich hatte keinen Mut dazu. Ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe.“

Der vorsitzende Richter zeigte sich angesichts der Umstände nachdenklich und fragte, wie man in solchen Fällen angemessen reagieren könne. Als strafmildernd wertete er das umfassende Geständnis, als erschwerend jedoch die Vielzahl der Terrorvorwürfe. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Mit Blick auf die Zukunft kündigte der Jugendliche an, sich von sozialen Medien wie TikTok und Instagram fernzuhalten und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu wollen.

Credit: APA

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