Wallah, Habibi, Oida: So spricht die Jugend auf Wiens Schulhöfen

Wallah, Habibi, Oida: So spricht die Jugend auf Wiens Schulhöfen

Wer heute in den Pausen durch die Gänge von Wiener Schulen geht, könnte meinen, er sei in einer anderen Welt. Vom klassischen Wienerisch ist oft nicht mehr viel zu hören. Stattdessen schwirren Wörter wie „Wallah“, „Habibi“ oder „Ace“ durch die Luft – ein bunter Mix aus Arabisch, Türkisch, Englisch und südosteuropäischen Sprachen. Dieser neue Jugendslang, auch Ethnolekt genannt, ist für viele Erwachsene ein Buch mit sieben Siegeln. Ein Lehrer aus Wien-Favoriten hat sich nun die Mühe gemacht, Licht ins Dunkel zu bringen.

Ein Lehrer schreibt ein Wörterbuch

Matej Jakic, ein junger Mittelschullehrer, kennt diese Sprachwelt nicht nur aus dem Klassenzimmer, sondern auch aus seiner eigenen, mehrsprachig geprägten Jugend. Um die teils unverständlichen Ausdrücke seiner Schüler zu entschlüsseln, hat er ein eigenes „Ethnolekt-Wörterbuch“ mit dem Titel „Bin Straßenbahn, wallah“ verfasst. Der Buchtitel selbst ist ein Paradebeispiel für diesen Sprachmix, den Jakic sofort versteht, auch wenn er früher eher „Bin Straßenbahn, Brate“ gesagt hätte.

Von „Wallah“ bis „Ace“: Was bedeutet das alles?

Der wohl bekannteste Ausdruck ist „Wallah“. Er stammt aus dem Arabischen und wird, wie Jakic erklärt, wie ein Schwur verwendet. Es bedeutet so viel wie „Ich schwöre!“ oder „Ich sage die Wahrheit!“. Ein weiteres beliebtes Wort ist „Habibi“, ebenfalls arabischen Ursprungs. Es kann Liebling, Schatz oder auch einen guten Freund bezeichnen – quasi der moderne Ersatz für das wienerische „Hawara“ oder „Oida“.

Doch nicht nur der arabische Sprachraum prägt den neuen Slang. Wie die Online-Plattform Thalia zum Buchinhalt ausführt, mischen sich auch zahlreiche andere Einflüsse darunter. „Abi“ ist das türkische Wort für „großer Bruder“. Der Begriff „Ace“ kommt aus dem Englischen und beschreibt jemanden, der in etwas besonders gut ist, etwa: „Der ist Ace beim Fußball.“

Social Media als Turbo für neue Wörter

Die Verbreitung dieser Begriffe geschieht in einem rasanten Tempo. „Wörter reisen schneller als je zuvor“, schreibt Jakic in seinem Buch. Dank sozialer Netzwerke wie TikTok kann ein Wort, das morgens in Berlin populär ist, mittags schon in Wien und abends in Linz angekommen sein. Wer sich über diesen Wandel aufregt, dem rufen die Jugendlichen oft nur ein lässiges „Chill mal!“ zu.

Trotz der Faszination für diesen sprachlichen Schmelztiegel betont Jakic, wie wichtig die Beherrschung der deutschen Standardsprache bleibt. Besonders in der Schule, in der Ausbildung und im späteren Berufsleben sei korrektes Deutsch unerlässlich. Denn so schnell wie neue Wörter auftauchen, so schnell können sie auch wieder verschwinden. Die „Habibis“ von heute sind vielleicht die „Oidas“ von morgen, die sich dann über den Slang der nächsten Generation wundern.

Quellen: exxpress.at, allesprachen.at, thalia.at

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