„Von der Stadt Wien halte ich gar nichts“: Mansour rechnet mit Wiens Integrationspolitik ab

„Von der Stadt Wien halte ich gar nichts“: Mansour rechnet mit Wiens Integrationspolitik ab

Der deutsch-israelische Psychologe und Extremismusforscher Ahmad Mansour hat bei einem Wien-Besuch scharfe Kritik an der Integrationspolitik der Bundeshauptstadt geübt – und gleichzeitig deutliche Worte zum Kopftuchverbot und zur Rolle linker Akteure gefunden.

Wertekurse: „Großartig und notwendig“

Mansour war in Wien zu Gast, um einen Werte- und Orientierungskurs für Flüchtlinge des Österreichischen Integrationsfonds zu besuchen, wie exxpress unter Berufung auf ein Interview in der Presse berichtet. Solche Kurse seien „großartig und notwendig“, betonte der Experte: Sie helfen Neuankömmlingen, sich in einer neuen Gesellschaft zurechtzufinden und Grundfragen des Zusammenlebens zu klären. Mansour selbst war vor mehr als zwei Jahrzehnten nach Deutschland gezogen – damals habe es vergleichbare Angebote noch nicht gegeben, die Unsicherheit sei groß gewesen.

Als Themen in solchen Kursen nennt Mansour laut exxpress häufig Sexualität, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Antisemitismus. Gerade bei letzterem würden Teilnehmer antisemitische Äußerungen manchmal mit Meinungsfreiheit rechtfertigen. „Das ist genau der Punkt, wo Aufklärungsarbeit beginnen muss“, so Mansour sinngemäß.

Klares Ja zum Kopftuchverbot

Besonders deutlich äußerte sich Mansour zum geplanten Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren, wie exxpress berichtet. Er spricht sich ausdrücklich dafür aus – und begründet das nicht nur religiös, sondern auch entwicklungspsychologisch: Mädchen würden durch ein verpflichtendes Kopftuch bereits in jungen Jahren ein problematisches Verhältnis zum eigenen Körper entwickeln. Die Botschaft, der eigene Körper müsse verborgen werden, könne langfristige Auswirkungen auf Selbstbild und Persönlichkeitsentwicklung haben. Diese Haltung ist konsistent mit Mansours langjährigen Positionen: Im heute.at-Interview von November 2025 erklärte er dazu: „Es ist ein absolut notwendiger Schritt. Wer im Namen von Feminismus oder Religionsfreiheit dagegen ist, verrät kleine Mädchen.“

Wien: „Davon halte ich gar nichts“

Das härteste Urteil fällte Mansour laut exxpress über die Integrationspolitik der Stadt Wien. „Von der Stadt Wien halte ich gar nichts“, sagte er. Probleme rund um Parallelgesellschaften, religiösen Extremismus oder Integrationsdefizite würden von Teilen der politischen Verantwortlichen oft nicht ausreichend angesprochen. Vor allem „linke Akteure“ würden bei bestimmten Themen reflexartig abblocken, anstatt sich Herausforderungen offen zu stellen. Diesen Vorwurf erhebt Mansour schon länger: Gegenüber der Kleinen Zeitung hatte er im Mai 2026 laut heute.at erklärt, linke Kreise würden „gemeinsame Sache mit Islamisten machen“, indem sie Debatten über den politischen Islam unterdrückten.

Religion an Schulen: Klare Grenzen gefordert

Grundsätzlich fordert Mansour laut exxpress eine breitere gesellschaftliche Diskussion darüber, wie viel Religion in staatlichen Schulen Platz haben soll. Religionsfreiheit sei „keine Einbahnstraße“: Sie schütze die Ausübung des Glaubens, bedeute aber nicht, dass jede religiös begründete Forderung automatisch zu akzeptieren sei. Erfolgreiche Integration könne nur gelingen, wenn Probleme klar benannt würden.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Mansour ist eine der lautesten, aber auch umstrittensten Stimmen in der deutschsprachigen Integrationsdebatte. Sein Hintergrund – als arabisch-israelischer Psychologe, der sich selbst einmal als Islamisten bezeichnet hat und heute unter Polizeischutz steht – verleiht seinen Aussagen eine besondere persönliche Glaubwürdigkeit in bestimmten Kreisen. Gleichzeitig wird er von manchen Wissenschaftlern und linken Medien als einseitig kritisiert: Die Georgetown University Bridge Initiative etwa hat seinen Ansatz als zu pauschalisierend gegenüber Muslimen beschrieben, wie Wikipedia dokumentiert. Seine Kritik an Wien ist inhaltlich nicht unberechtigt – Wien hat tatsächlich mit messbaren Integrationsdefiziten zu kämpfen. Seine pauschale Absage an die gesamte Wiener Stadtpolitik ist allerdings eine politische Einschätzung, keine wissenschaftliche Analyse.

Credits: Von Elena Ternovaja – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141077226

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