Nazi-Parolen und Prügel in Leoben: Taxifahrer nach Burschenschafter-Fest brutal attackiert

Nazi-Parolen und Prügel in Leoben: Taxifahrer nach Burschenschafter-Fest brutal attackiert

Ein Taxifahrer in Leoben soll in der Nacht auf Samstag zunächst „Sieg Heil“-Rufe seiner Fahrgäste gehört und diese daraufhin aus dem Wagen geworfen haben. Was danach folgte, endete im Spital.

Nazi-Rufe im Taxi – Polizei gerufen

Wie heute.at unter Berufung auf den Standard berichtet, wurde ein 57-jähriger Taxilenker gegen zwei Uhr früh zu einem Firmengelände im Leobener Stadtteil Donawitz gerufen. Dort sollen hunderte Gäste einer Burschenschafter-Veranstaltung gefeiert haben. Kurz nach dem Einsteigen hätten zwei Fahrgäste Nazi-Parolen gerufen, schildert der Fahrer. Er forderte die Männer daraufhin auf, sein Fahrzeug zu verlassen, und verständigte die Polizei.

Angriff auf dem Veranstaltungsgelände

Die Fahrgäste kehrten laut heute.at auf das Gelände zurück – der Taxifahrer folgte ihnen nach. Dabei wurde er nach seinen eigenen Schilderungen von mehreren Männern attackiert: Er sei zu Boden geschlagen und anschließend gegen Kopf und Oberkörper getreten worden. Dabei erlitt er Schürfwunden, Prellungen und Hämatome. Während des Angriffs soll er zudem mehrfach beschimpft worden sein.

Polizei bestätigt Ermittlungen

Die Polizei Leoben bestätigte dem Standard den Vorfall. Laut Polizei laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung sowie nationalsozialistischer Wiederbetätigung gegen mehrere bislang unbekannte Täter, wie heute.at berichtet. Die Einvernahmen von Zeugen und Beteiligten seien noch nicht abgeschlossen. Das Opfer erlitt Verletzungen unbestimmten Grades. Ob die mutmaßlichen Täter unter den Veranstaltungsteilnehmern waren, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Fest stand bereits unter Beobachtung

Die Veranstaltung stand laut heute.at bereits im Vorfeld unter verstärkter Beobachtung der Behörden. Details dazu, welche Burschenschaft die Veranstaltung ausgerichtet hat, nennt weder heute.at noch der Standard.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Fall fügt sich in eine Serie von Vorfällen, die in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit Burschenschafter-Veranstaltungen in Österreich für Schlagzeilen gesorgt haben. Dass ein Taxifahrer, der konsequent auf Recht und Gesetz besteht – Nazi-Parolen sind in Österreich strafrechtlich als Wiederbetätigung verboten – physisch dafür bestraft wird, macht den Vorgang besonders schwerwiegend. Zwei Ermittlungsstränge laufen nun parallel: zum einen wegen Körperverletzung, zum anderen wegen des Verdachts der nationalsozialistischen Wiederbetätigung. Wie schnell und wie konsequent die steirische Justiz beide Stränge verfolgt, wird sich zeigen.

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