Von der Leyens Zoll-Kniefall kostet tausende Jobs in Österreich

Von der Leyens Zoll-Kniefall kostet tausende Jobs in Österreich

Nicht nur die zugesagte Zahlung von 2000 Milliarden Euro von europäischen Unternehmen an US-Firmen, sondern auch der 15-Prozent-Zoll selbst, dem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zugestimmt hat, wird die EU-Nationen noch jahrelang belasten: Es dürften auch hunderte, wenn nicht tausende Jobs in Österreich aufgrund dieses Kniefalls der EU-Kommission vor Donald Trump gefährdet sein.

Wie von exxtra24 berichtet, haben die USA und die EU ihre Einigung über neue Handelszölle bekanntgegeben, doch die Unklarheiten über konkrete Regelungen bleiben. Ein rechtlich bindender Vertrag fehlt bisher, stattdessen wird für Freitag ein gemeinsames Absichtspapier erwartet – ein Zwischenschritt hin zu einem möglichen Rahmenvertrag.

Pharma-Branche betroffen

Besonders hart trifft die Unsicherheit Österreichs Pharmaindustrie – sie ist nach Motoren und Maschinenbau der zweitwichtigste Exportzweig in die Vereinigten Staaten. Bisher unterlagen viele pharmazeutische Produkte kaum oder gar keinen Zöllen, was nicht nur den Export vereinfachte, sondern auch die Verfügbarkeit lebenswichtiger Medikamente sicherte.

Peter Richter vom österreichischen Pharmaverband Pharmig warnt gegenüber dem STANDARD: „Sollten Zölle auf Medikamente tatsächlich kommen, wäre das eine massive Zusatzbelastung, zusätzlich zu den ohnehin niedrigen Arzneimittelpreisen in der EU.“ Zwar kursieren Hinweise, dass patentfreie Medikamente ausgenommen werden könnten, doch Zusagen fehlen bisher.

Laut Berechnungen der Österreichischen Nationalbank könnte ein 20-prozentiger Zollsatz zu einem Rückgang der Pharmaproduktion um 3,6 Prozent führen, das wäre der stärkste Rückgang aller untersuchten Branchen. Etwa ein Fünftel aller österreichischen Exporte in die USA entfällt auf pharmazeutische Produkte.

In anderen Sektoren zeigt sich ein gemischtes Bild. Während die Autoindustrie von den neuen Zollregelungen eher profitiert (15 statt bisher 27,5 Prozent Zoll) herrscht in vielen anderen Industriebereichen große Unsicherheit. Zahlreiche heimische Produkte gelangen zudem nicht direkt, sondern über Deutschland in die USA, was etwaige Zollregelungen zusätzlich verkompliziert.

Kaum BIP-Verlust, aber zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr

Wirtschaftsforscher des Instituts für Höhere Studien (IHS) gehen davon aus, dass die Zölle Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur geringfügig schmälern – um etwa 0,1 bis 0,2 Prozent. In Deutschland könnte das Minus laut ifo-Institut sogar bei 0,15 Prozent liegen – was einem wirtschaftlichen Verlust von 6,5 Milliarden Euro entspricht.

Doch während die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen moderat bleiben dürften, sehen Experten vor allem für die Beschäftigung in Österreich Risiken. „Große Konzerne mit Standorten in den USA und Europa können ihre Produktion anpassen – etwa durch Verlagerungen“, erklärt dazu Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. Und: „Das aber könnte heimische Arbeitsplätze gefährden.“ Besonders kleinere und mittlere Unternehmen, die über keine internationalen Fertigungsstandorte verfügen, seien verletzlicher gegenüber den neuen Handelsbarrieren.

Für europäische Konsumenten dürfte sich die Lage hingegen kaum spürbar ändern. Die EU hat beschlossen, vorerst keine Gegenzölle zu erheben. Da der Anteil von importierten US-Gütern in Europa ohnehin gering ist, sind Preissteigerungen im Einzelhandel kaum zu erwarten.

Credit: APA

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