Von der Leichtathletik ins Rathaus: Wird diese Ex-Olympionikin zur größten Gefahr für Meloni?

Von der Leichtathletik ins Rathaus: Wird diese Ex-Olympionikin zur größten Gefahr für Meloni?

Sie ist blond, charismatisch und scheut keine Konfrontation. Silvia Salis ist die derzeit wohl spannendste Figur auf dem politischen Parkett Italiens. Die 40-jährige Ex-Olympionikin und amtierende Bürgermeisterin von Genua mischt die Politikszene gehörig auf. Viele sehen in ihr bereits die ideale Gegenspielerin zur italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni.

Ein steiler Aufstieg aus dem Nichts

Silvia Salis war bis vor kurzem ein politisch unbeschriebenes Blatt. Die ehemalige Weltklasse-Leichtathletin, die 2008 in Peking und 2012 in London an den Olympischen Spielen teilnahm, gewann im Mai 2025 überraschend die Bürgermeisterwahl in ihrer Heimatstadt Genua. Es gelang der Quereinsteigerin, das oft zerstrittene Mitte-Links-Lager zu vereinen. Damit beendete sie nach acht Jahren die Vorherrschaft der Rechten im Rathaus der Hafenstadt. Nach dem verletzungsbedingten Ende ihrer sportlichen Karriere im Jahr 2016 machte sie sich zunächst als Vizepräsidentin des Italienischen Olympischen Komitees einen Namen, bevor sie den Sprung in die Politik wagte.

Die „Anti-Meloni“ mit Gespür für die Jugend

Während die Regierung in Rom laut The Guardian nach einer gescheiterten Justizreform und Spannungen mit US-Präsident Donald Trump in unruhigem Fahrwasser navigiert, sammelt Salis auf lokaler Ebene fleißig Pluspunkte. Die britische Tageszeitung zitiert Beobachter, die sie als frischen Wind und potenzielle Einigerin der Nation beschreiben.

Besonders bei der jüngeren Generation kommt Salis hervorragend an. Wie The Week in Italy schreibt, organisierte die Stadtverwaltung unter ihrer Führung kürzlich eine kostenlose Techno-Party auf dem zentralen Piazza Matteotti. Rund 20.000 Menschen feierten, während die Bürgermeisterin selbst entspannt neben der Star-DJane Charlotte de Witte auf der Bühne tanzte. Solche unkonventionellen Auftritte machen sie für viele junge Wähler enorm attraktiv und grenzen sie scharf von etablierten Politikern ab.

Kampf gegen Vorurteile und Sexismus

Der Weg an die Spitze war für die 40-Jährige nicht ohne Hürden. Im Wahlkampf musste sie sich immer wieder gegen sexistische Angriffe wehren. Wie die Times berichtet, versuchten politische Gegner sie als unerfahren und oberflächlich darzustellen. Man kramte alte Urlaubsfotos im Bikini hervor und spottete über ihre Vorliebe für teure Designer-Schuhe. Doch Salis ließ sich nicht einschüchtern. Mit trockenen, direkten Antworten entwaffnete sie ihre Kritiker und nutzte ihre sportliche Mentalität, um Widerstände zu überwinden. Sie verwies stets auf harte Arbeit, Disziplin und die Werte, die ihr Vater, ein ehemaliger Platzwart und überzeugter Kommunist, ihr vermittelt hatte.

Der Sprung auf die große Bühne?

In den Reihen der Opposition wächst nun die Hoffnung, dass Salis der Schlüssel zu einem nationalen Machtwechsel sein könnte. Die etablierten Führer des linken Lagers gelten bei vielen Wählern als zu blass oder zu spaltend. Salis selbst gibt sich bescheiden, schließt aber laut internationalen Medienberichten eine größere Rolle nicht kategorisch aus, sollte das gesamte Mitte-Links-Lager geschlossen hinter ihr stehen. Ob sie bei der für 2027 geplanten Parlamentswahl tatsächlich als Spitzenkandidatin gegen Giorgia Meloni in den Ring steigt, bleibt abzuwarten.

Quellen: oe24.at, The Guardian, The Week in Italy, The Times

Credits: APA

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