Er trat an als Präsident des Friedens – und drohte zuletzt, eine ganze Zivilisation auszulöschen. Die politische Entwicklung Donald Trumps in seiner zweiten Amtszeit ist ein Lehrstück über die Kluft zwischen Versprechen und Wirklichkeit.
„Mein stolzestes Erbe wird das eines Friedensstifters sein“
Es war der 20. Januar 2025, Trumps zweite Vereidigung. In seiner Antrittsrede verkündete er, wie Responsible Statecraft dokumentiert, feierlich: „Mein stolzestes Erbe wird das eines Friedensstifters und Einers sein. Unsere Macht wird alle Kriege beenden und eine neue Seele der Einheit in eine Welt bringen, die wütend, gewalttätig und völlig unberechenbar war.“ Wer den Satz hörte, kannte freilich auch die Wahlkampf-Version: Den Ukraine-Krieg wollte Trump laut CNN in 24 Stunden beenden – nicht einmal figurativ, sondern, wie er bei Dutzenden Wahlkampfauftritten betonte, buchstäblich.
Sieben Kriege in sieben Monaten – eine fragwürdige Bilanz
Tatsächlich häufte Trump im ersten Jahr eine Reihe von Waffenstillstandsabkommen an und präsentierte sie als historische Errungenschaften. Wie FactCheck.org in einer ausführlichen Analyse berichtet, behauptete Trump auf Truth Social im Juli 2025: „Ich habe nun viele Kriege in nur sechs Monaten beendet – ich bin stolz, der Präsident des FRIEDENS zu sein!“ Er zählte sechs, sieben, schließlich acht beendete Konflikte auf, von Gaza über den Israel-Iran-Waffenstillstand im Juni 2025 bis zu einem Grenzstreit zwischen Kambodscha und Thailand.
Wie Al Jazeera und das Anchorage Daily News kritisch einordnen, ist die Bilanz gemischt: Bei einigen Konflikten spielte Trump tatsächlich eine Rolle, in anderen – etwa Indien und Pakistan – bestreiten die beteiligten Regierungen Trumps Beitrag ausdrücklich. Zudem flammten mehrere als „beendet“ bezeichnete Konflikte rasch wieder auf. Im September 2025 hielt Trump vor der UN-Generalversammlung eine Rede und erklärte, er verdiene für jede dieser Errungenschaften den Nobelpreis. Das Komitee in Oslo sah das anders – den Preis erhielt die venezolanische Oppositionsführerin Maria Corina Machado.
Der Krieg, den Trump selbst begann
Doch bereits während der selbsternannten Friedensdiplomatie ließ die härtere Realität nicht lange auf sich warten. Wie The Intercept in einer Analyse dokumentiert, war Trump seit Amtsantritt in mehr als 20 Militärinterventionen, bewaffnete Konflikte und Kriege verwickelt – ohne je den Kongress um Kriegsgenehmigung zu ersuchen. Am 28. Februar 2026 griffen die USA und Israel den Iran an, wie Wikipedia im Artikel zum Irankrieg 2026 festhält – mitten in laufenden Nuklearverhandlungen, bei denen Omans Außenminister kurz zuvor noch von einem „Durchbruch“ gesprochen hatte.
Trump selbst hatte im Januar 2025 an die iranische Bevölkerung noch geschrieben: „Hilfe ist auf dem Weg.“ Knapp 13 Monate später ordnete er Luftangriffe an, bei denen laut Euronews seit Kriegsbeginn am 28. Februar mehr als 5.200 Menschen ums Leben kamen, davon über 3.500 im Iran.
Der Zivilisationsauslöscher
Der Tiefpunkt – oder je nach Perspektive: der absolute Gipfel der Eskalationsrhetorik – kam am 7. April 2026. Wie AP in einem vielbeachteten Bericht formulierte, wandte sich der Präsident, der den Nobelpreis anstrebte, nun der Sprache der Vernichtung zu. Trump schrieb auf Truth Social: „A whole civilization will die tonight, never to be brought back again.“ Stunden zuvor hatte er gefordert, den Iran in die Steinzeit zu bomben, und an Ostern in einem Schimpfwort-beladenen Post verlangt, die Straße von Hormus zu öffnen. Kenneth Roth, früherer Direktor von Human Rights Watch, sagte gegenüber NBC News, Trump drohe offen mit kollektiver Bestrafung der Zivilbevölkerung – ein klarer Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention.
Zwei Stunden vor Fristablauf handelte Pakistan eine zweiwöchige Waffenruhe aus. Trump verkündete sie als „großen Tag für den Weltfrieden.“
Was bleibt
Die Wandlung Trumps – vom Friedenspräsidenten zum Autor der Drohung, eine Jahrtausende alte Zivilisation auszulöschen – folgt einem Muster, das FactCheck.org und The Intercept unabhängig voneinander beschreiben: extreme Rhetorik als Druckmittel, dann Rückzug, dann neuer Anspruch auf Erfolgsmeldung. Was neu ist: Die Drohungen sind ernster geworden – und die Welt unberechenbarer, als es Trump in seiner Antrittsrede versprochen hatte.
Credits: APA
Neueste Kommentare