Ein Schüler-Instagram-Account, antisemitische Boykott-Sticker, ein Video mit einer Pistolen-Attrappe gegen eine Mitschülerin — und im Hintergrund: geschlechtergetrennte Gebete im öffentlichen Schulgang einer Vorarlberger Handelsakademie. Der Fall HAK Lustenau hat Wellen geschlagen. Jetzt gibt es erste Reaktionen — aber keine vollständigen Antworten.
Was den Wirbel ausgelöst hat
Ausgangspunkt war eine Berichterstattung von exxpress.at über den Schüler-Instagram-Account „Ha(k)babam“ aus dem Umfeld der HAK Lustenau — ein Wortspiel aus „HAK“ und der türkischen Kultserie „Hababam Sınıfı“. Auf dem Account fanden sich laut exxpress.at mehrere brisante Inhalte: ein Video, das Schüler beim Anbringen von Stickern mit der Aufschrift „Boykott Israeli Apartheid“ zeigt — einer Parole der BDS-Kampagne, die der österreichische Nationalrat 2020 einstimmig als antisemitisch verurteilt hat. Dazu ein Clip, in dem eine Mitschülerin mit einer Pistolen-Attrappe bedroht wird. Besonders brisant: Beim gemeinsamen Iftar-Gebet im Ramadan wurden in öffentlichen Bereichen der Schule Frauen und Männer strikt getrennt — Burschen vorne, Mädchen dahinter.
Pikant dazu: Laut vol.at hatte auch der offizielle Instagram-Account der HAK Lustenau ein Video aus diesem Schülerkanal geteilt — das gemeinsame Fastenbrechen im Ramadan. Die Schule betonte später, beim fraglichen Account handle es sich nicht um einen offiziellen Kanal.
Erste Reaktion: Videos verschwinden
Nach dem exxpress-Bericht kam Bewegung in die Sache. Wie die Bildungsdirektion Vorarlberg gegenüber exxpress.at bestätigte, wurden „die betreffenden Postings nach einem Gespräch mit den beteiligten Jugendlichen entfernt“. Konkret sind das Israel-Boykott-Video sowie der Clip mit der Pistolen-Attrappe auf dem Schüleraccount nicht mehr abrufbar. Auch der offizielle Instagram-Account der HAK Lustenau hat die geteilten Fastenbrechen-Videos entfernt. Die Bildungsdirektion spricht von einer „pädagogischen Aufarbeitung“.
Die zentrale Frage bleibt unbeantwortet
Was die Behörde nicht beantwortet: Wie wird künftig mit geschlechtergetrennten Gebeten im öffentlichen Schulraum umgegangen? Das Fastenbrechen wurde im Vorfeld als Veranstaltung beworben, die „offen für alle“ sei — die Aufnahmen zeigten jedoch eine strikt nach Geschlechtern geordnete Gebetspraxis im allgemein zugänglichen Schulgang. Ob und unter welchen Bedingungen solche Praktiken in Zukunft stattfinden dürfen, lässt die Bildungsdirektion in ihrer Stellungnahme offen.
Stattdessen verweist sie auf die Religionsfreiheit: Religiöse Praxis sei an Schulen „grundsätzlich möglich“, Veranstaltungen wie ein Fastenbrechen könnten „im Rahmen einer Schulraumüberlassung außerhalb der Unterrichtszeit und auf freiwilliger Basis stattfinden.“ Dass es dabei um das Fastenbrechen an sich geht, bestreitet niemand — die Frage nach der Geschlechterordnung im öffentlichen Raum einer staatlichen Schule bleibt davon unberührt.
Auch Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink äußerte sich laut exxpress.at nur allgemein: An Schulen seien ein geordneter Schulbetrieb, respektvolles Miteinander und ein verantwortungsvoller Umgang mit schulischen Kommunikationskanälen sicherzustellen. Der konkrete Fall sei von den zuständigen Stellen zu prüfen. Eine Stellungnahme der Schulleitung selbst liegt bis dato nicht vor.
Politische Reaktionen — einseitig
FPÖ-Klubobmann Markus Klien sprach gegenüber exxpress.at von „religiösem islamistischem Druck“ und forderte „unmissverständliche Regeln“. Eine Reaktion der Vorarlberger ÖVP auf Anfrage blieb bislang aus.
Quellen:
- exxpress.at: Nach exxpress-Bericht: HAK löscht brisante Videos – Fragen bleiben
- exxpress.at: Islamismus-Eklat: HAK teilt Ramadan-Clip von Kanal mit antisemitischen Inhalten
- exxpress.at: Geschlechtertrennung beim islamischen Fastenbrechen an Schule – Video verstört
- vol.at: HAK Lustenau: Schüler-Instagram sorgt für Diskussionen
- Österreichischer Nationalrat: Beschluss zur BDS-Kampagne (2020, einstimmig)
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