Vertrauensindex: Meinl-Reisinger fällt am tiefsten

Vertrauensindex: Meinl-Reisinger fällt am tiefsten

Zum Start der parlamentarischen Sommerpause zeigt der aktuelle APA/OGM-Vertrauensindex ein größtenteils stabiles Bild der österreichischen Bundespolitik – mit einer auffälligen Ausnahme: NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger verzeichnet den stärksten Vertrauensverlust aller abgefragten Politikerinnen und Politiker.

Der Dengler-Effekt

Meinl-Reisinger verlor gegenüber der letzten Erhebung im April elf Punkte und liegt nun bei einem Saldo von minus 20 – jener Differenz zwischen den Anteilen an „Vertraue“- und „Vertraue nicht“-Antworten der Befragten. Als Ursache für den Absturz gilt die öffentliche Debatte rund um den Ausschluss von NEOS-Mitgründer Veit Dengler aus Parlamentsklub und Partei, der sich in den vergangenen Tagen zu einer der größeren innenpolitischen Kontroversen des Sommers entwickelt hatte.

Kickl mit Zugewinn, aber weiter Schlusslicht

Unter den Parteichefs verzeichnete einzig FPÖ-Obmann Herbert Kickl einen Vertrauenszuwachs von plus sechs Punkten. Trotzdem bleibt er mit einem Saldo von minus 36 auf dem letzten Platz aller Parteispitzen. Den besten Wert unter den Parteichefs erreicht weiterhin Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), der allerdings ebenfalls fünf Punkte einbüßte und nun bei minus zehn liegt. Grünen-Chefin Leonore Gewessler folgt mit minus 23 auf Platz drei knapp hinter Meinl-Reisinger, SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler liegt mit minus 35 nur hauchdünn vor Kickl auf Rang vier. Sowohl Gewessler als auch Babler verloren gegenüber April jeweils zwei Punkte.

Van der Bellen weiterhin uneinholbar an der Spitze

Angeführt wird die Gesamtliste unverändert von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit einem stabilen Saldo von plus 23. Dahinter platziert sich die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures mit plus 15, die gegenüber April drei Punkte verlor. Bemerkenswert: Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) ist das einzige Regierungsmitglied mit positivem Saldo. Er legte sogar um fünf Punkte auf plus 11 zu – ein Anstieg, den die Meinungsforscher von OGM auch mit der Bekanntgabe seiner Krebsdiagnose in Verbindung bringen, die genau am ersten Tag der Erhebung erfolgte.

Verluste bei mehreren Ressortchefs

Auch abseits der Parteispitzen gab es spürbare Bewegung. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) rutschte mit einem Minus von sechs Punkten knapp ins Negative auf einen Saldo von minus eins – OGM erklärt das vor allem mit der Diskussion um mögliche Kürzungen beim Universitätsbudget. Ebenfalls sechs Punkte verlor Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS, insgesamt minus 15) im Zusammenhang mit der Debatte um Hitze an Schulen. Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) büßte nach der Präsentation der Ergebnisse zur Reformpartnerschaft ebenfalls sechs Punkte ein und steht nun bei minus 13.

Positive Ausnahme in der ÖVP

Innerhalb der ÖVP-Regierungsmannschaft schneidet Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl am besten ab: Mit einem Zugewinn von zwei Punkten kommt sie auf einen vergleichsweise moderaten Negativsaldo von minus drei. Unter den Klubobleuten genießt der nach dem Rücktritt von August Wöginger erstmals abgefragte ÖVP-Klubchef Ernst Gödl mit minus vier das größte Vertrauen.

Schellhorn übernimmt die „rote Laterne“

Ganz am Ende der Liste hat Kickl durch seinen Vertrauenszuwachs den letzten Platz an Staatssekretär Josef Schellhorn abgegeben. Dieser kommt auf einen Saldo von minus 38 und liegt damit sogar hinter Kickl und Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ), die beide bei minus 36 liegen. Innerhalb der SPÖ hat Vizekanzler Babler mit minus 35 den schlechtesten Wert.

Zur Methodik

Für den Vertrauensindex Bundespolitik befragte das Meinungsforschungsinstitut OGM im Auftrag der APA zwischen 13. und 15. Juli insgesamt 1.006 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren. Die maximale statistische Schwankungsbreite liegt bei 3,1 Prozentpunkten in beide Richtungen. Der Vertrauenssaldo ergibt sich jeweils aus der Differenz der Prozentwerte von „vertraue“ und „vertraue nicht“.

Credits: BKA, Tarek Wilde

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