Eine neue Allensbach-Umfrage zeigt einen dramatischen Stimmungswandel. Während Russland weiterhin als Hauptbedrohung gilt, hat sich die Wahrnehmung der USA fundamental verschlechtert.
Dramatischer Anstieg innerhalb von zwei Jahren
Der Blick der Deutschen auf ihre transatlantische Schutzmacht hat sich radikal verändert. Wie das Allensbach-Institut im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung ermittelt hat, sehen mittlerweile 65 Prozent der Befragten in den USA eine der größten Gefahren für den Weltfrieden. Das ist ein massiver Anstieg: 2025 waren es noch 46 Prozent, 2024 lediglich 24 Prozent.
Für den „Sicherheitsreport 2026“ befragte das renommierte Institut zwischen dem 6. und 19. Januar 2026 bundesweit 1.077 Menschen ab 16 Jahren. Die Ergebnisse zeichnen ein beunruhigendes Bild der transatlantischen Beziehungen.
Russland bleibt Hauptbedrohung
Wie t-online berichtet, geht die größte Gefahr für den Frieden nach Einschätzung der Deutschen weiterhin von Russland aus. Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 bewegt sich dieser Wert konstant zwischen 75 und 82 Prozent. Aktuell nennen 81 Prozent der Befragten Russland als Bedrohung für den Weltfrieden.
China wird von 46 Prozent der Menschen als Gefahr für den Weltfrieden betrachtet – ein Wert, der deutlich unter dem der USA liegt.
Zweifel an der Nato-Beistandsgarantie
Besonders brisant: Nur noch 32 Prozent der Deutschen glauben, dass die USA militärisch eingreifen würden, sollte ein europäischer Nato-Staat angegriffen werden. Wie die Deutsche Wirtschafts Nachrichten dokumentiert, halten 35 Prozent dies sogar für unwahrscheinlich. Der Rest zeigt sich unentschieden.
Diese Zahlen offenbaren eine tiefe Vertrauenskrise in die Sicherheitsgarantien des westlichen Bündnisses.
Kriegsängste und Fluchtgedanken
Die Meinungsforscher fragten auch nach der Einschätzung, wie wahrscheinlich eine deutsche Kriegsbeteiligung in den kommenden Jahren sei. Wie das Handelsblatt berichtet, halten drei Prozent dies für sehr wahrscheinlich, 28 Prozent für eher wahrscheinlich. 40 Prozent schätzen es als eher unwahrscheinlich ein.
Bemerkenswert: 14 Prozent der Bevölkerung haben bereits darüber nachgedacht, Deutschland im Falle einer Kriegsbeteiligung zu verlassen. Weitere 24 Prozent würden in einem solchen Fall über eine Flucht nachdenken. Knapp die Hälfte (49 Prozent) schloss dies allerdings kategorisch aus.
Erschöpfung und neue Sorgen
Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach sieht bei einem großen Teil der Bevölkerung eine gewisse „Erschöpfung“. Nach Corona-Pandemie, hoher Inflation, dem Ukraine-Krieg und weiteren geopolitischen Herausforderungen sei dies spürbar.
Gleichzeitig rückt ein neues Risiko in den Fokus: 71 Prozent der Deutschen zählen laut Studie Cyberattacken auf kritische Infrastruktur zu den größten Gefahren für das Land.
Rückgang der Terrorangst
Eine positive Entwicklung zeigt sich bei der Terrorangst. Wie mehrere Medien berichten, fühlen sich aktuell noch 33 Prozent durch Terroranschläge persönlich bedroht – vor einem Jahr waren es noch 42 Prozent.
Die Umfrageergebnisse dokumentieren einen fundamentalen Wandel in der sicherheitspolitischen Wahrnehmung der Deutschen. Das Vertrauen in den transatlantischen Partner USA hat in nur zwei Jahren dramatisch gelitten – mit weitreichenden Implikationen für die künftige Ausrichtung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik.
Quellen: Weltwoche.ch, Die Welt, t-online.de, Deutsche Wirtschafts Nachrichten, Handelsblatt, Nau.ch
Credits: APA
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