Versöhnliche Töne aus Minsk: Lukaschenko entschuldigt sich bei Selenskyj

Versöhnliche Töne aus Minsk: Lukaschenko entschuldigt sich bei Selenskyj

Mit ungewöhnlich versöhnlichen Worten lässt der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko aufhorchen. Der engste Verbündete von Russlands Präsident Wladimir Putin fordert plötzlich Kompromisse zwischen Moskau und Kiew.

„Die Ukraine hat nichts zu befürchten“

Wie oe24 berichtet, erklärte Lukaschenko in einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender Al Arabiya: „Die Ukraine hat von Belarus aus nichts zu befürchten.“ Zudem räumte er ein, dass sein Land „militärisch verwundbar“ sei. Wie die belarussische Nachrichtenagentur BelTA aus dem Interview zitiert, fügte Lukaschenko hinzu: „Es sind keine militärischen Aktionen von Belarus, und insbesondere von mir, zu erwarten.“

Noch bemerkenswerter ist seine Einschätzung zum Kriegsverlauf selbst. Wie BelTA berichtet, sagte der belarussische Präsident wörtlich: „Es gibt sehr viele Probleme, die zu lösen sind. Und diese Probleme können nur am Verhandlungstisch gelöst werden. Es gibt für die beiden Konflikte keine militärische Lösung. Weder in der Ukraine noch im Nahen Osten gibt es eine militärische Lösung.“ Ein militärischer Sieg sei demnach weder für Russland noch für die Ukraine realistisch – stattdessen brauche es Kompromisse auf beiden Seiten.

Entschuldigung bei Selenskyj

Besonders bemerkenswert ist, dass Lukaschenko sogar versöhnliche Töne gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj anschlug. Wie das Portal Dagens DE unter Berufung auf BelTA zitiert, erklärte Lukaschenko: „Sollte Wolodymyr Oleksandrowytsch (Selenskyj) beleidigt gewesen sein, so entschuldige ich mich bei ihm für diese Worte.“ Er merkte demnach an, dass der andauernde Krieg gegen Russland die Situation äußerst sensibel mache.

Auf die Frage, warum er zuvor so scharf über Selenskyj gesprochen hatte, erklärte Lukaschenko laut BelTA: „Vielleicht habe ich irgendwo übertrieben, aber es war eine Antwort auf seine unangebrachten Äußerungen.“ Gleichzeitig verwies er auf eine frühere Aussage Selenskyjs, wonach man „500 Ziele in Belarus“ identifiziert habe und genau wisse, wo sich Lukaschenko befinde.

Angst vor einer Eskalation?

Hinter dem Kurswechsel könnte vor allem die militärische Entwicklung stehen. Wie oe24 schildert, hat die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf russische Ziele deutlich ausgeweitet und trifft mittlerweile regelmäßig Ziele tief im russischen Hinterland. Ein ukrainischer Kommandeur der Drohnenstreitkräfte hatte zudem kürzlich gewarnt, man habe rund 500 mögliche Ziele in Belarus identifiziert und Minsk vor einer aktiven Kriegsbeteiligung gewarnt – eine Aussage, die in Belarus laut oe24 für erhebliche Aufmerksamkeit sorgte.

Vorsichtige Annäherung an den Westen

Belarus galt seit Beginn der russischen Invasion als einer der wichtigsten Unterstützer Moskaus: Russische Truppen nutzten 2022 belarussisches Territorium für ihren Angriff auf die Ukraine, zudem stationierte Russland taktische Atomwaffen im Nachbarland, wie oe24 in Erinnerung ruft. Dennoch vermied Lukaschenko es stets, eigene Streitkräfte direkt in den Krieg zu schicken.

Die neuen Töne aus Minsk könnten laut oe24 auch mit vorsichtigen Annäherungsversuchen an den Westen zusammenhängen. In den vergangenen Monaten kam es demnach zu Gesprächen mit den USA über die Freilassung politischer Gefangener und eine mögliche Verbesserung der Beziehungen. Beobachter sehen darin einen Versuch des belarussischen Machthabers, seine vollständige Abhängigkeit von Moskau etwas zu verringern.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Wichtig zur Einschätzung dieses Kurswechsels: Es ist nicht das erste Mal, dass Lukaschenko und Selenskyj öffentlich widersprüchliche Versionen vergangener Entschuldigungen austauschen. Schon zuvor hatte Selenskyj von einer angeblichen Entschuldigung Lukaschenkos aus dem Jahr 2022 berichtet, die eine Sprecherin des belarussischen Präsidenten damals dementierte. Das deutet darauf hin, dass solche „Annäherungssignale“ zumindest teilweise auch der eigenen PR-Strategie beider Seiten dienen könnten. Inhaltlich bleibt zudem fraglich, wie weit Lukaschenkos außenpolitischer Spielraum überhaupt reicht: Solange russische Truppen und Atomwaffen auf belarussischem Boden stationiert sind, bleibt seine Position in erster Linie von Moskaus Wohlwollen abhängig. Experten des Carnegie Endowment for International Peace sehen laut oe24 derzeit auch keine konkreten Hinweise auf eine bevorstehende belarussische Kriegsbeteiligung – Lukaschenkos Bemühen, einen direkten Kriegseintritt zu vermeiden, ist demnach kein neues Phänomen, sondern eine seit Jahren verfolgte Strategie zur Sicherung seines eigenen Regimes.

Credits: Von Tatarstan.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=133021898 / mit KI erweitert

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