Die US-Antidiskriminierungsbehörde EEOC untersucht, ob Nike durch seine Diversitätsprogramme gegen Bürgerrechtsgesetze verstoßen hat. Der Konzern wehrt sich gegen die Vorwürfe und spricht von einer „überraschenden Eskalation“.
Der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike steht unter behördlicher Beobachtung. Wie die Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) in einer Pressemitteilung bekannt gab, hat die Behörde ein Bundesgericht in Missouri angerufen, um die Herausgabe interner Unterlagen zu erzwingen.
Vorwurf: Systematische Benachteiligung durch Diversitätsziele
Im Zentrum der Ermittlungen stehen laut EEOC Nikes Diversitätsprogramme, insbesondere die „2025 Targets“ des Konzerns. Die Behörde untersucht den Verdacht, Nike könnte „ein Muster systematischer Ungleichbehandlung weißer Mitarbeiter, Bewerber und Trainingsteilnehmer“ praktiziert haben, wie aus den Gerichtsdokumenten hervorgeht.
Konkret geht es um Entscheidungen bei Einstellungen, Beförderungen, Versetzungen und Entlassungen sowie um den Zugang zu Mentoring- und Führungskräfteentwicklungsprogrammen. Wie NPR berichtet, fordert die EEOC Informationen darüber, wie Nike Daten über ethnische Zugehörigkeit erfasst und verwendet – auch im Zusammenhang mit der Festlegung von Führungskräftegehältern.
Nike spricht von umfangreicher Kooperation
Nike weist die Vorwürfe zurück. „Das fühlt sich wie eine überraschende und ungewöhnliche Eskalation an“, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber der Associated Press. Man habe „Tausende Seiten an Informationen und detaillierte schriftliche Antworten“ übermittelt und sei dabei, zusätzliche Unterlagen bereitzustellen.
„Wir verpflichten uns zu fairen und rechtmäßigen Beschäftigungspraktiken und befolgen alle geltenden Gesetze, einschließlich jener, die Diskriminierung verbieten“, betonte Nike laut CNN. Das Unternehmen werde weiterhin mit der EEOC kooperieren.
Keine individuellen Beschwerden als Grundlage
Bemerkenswert: Wie NPR berichtet, basieren die Ermittlungen nicht auf konkreten Beschwerden von Mitarbeitern. Vielmehr leitete EEOC-Chefin Andrea Lucas die Untersuchung im Mai 2024 eigenständig ein – damals noch als Kommissionsmitglied.
Grundlage waren öffentlich zugängliche Informationen über Nikes Diversitätsziele. Das Unternehmen hatte sich zum Ziel gesetzt, 30 Prozent Minderheitenangehörige auf Direktorenebene und höher zu beschäftigen, wie The Hill berichtet.
Politischer Kurswechsel unter Trump-Administration
Die Ermittlungen sind Teil eines grundlegenden Richtungswechsels der EEOC. Präsident Trump ernannte Lucas im November 2025 zur Vorsitzenden der Behörde, die ursprünglich 1964 zur Bekämpfung von Diskriminierung gegründet wurde.
„Dank Präsident Trumps Engagement für die Durchsetzung unserer Bürgerrechtsgesetze hat die EEOC ihren Fokus auf die ausgewogene Durchsetzung von Titel VII erneuert“, erklärte Lucas laut der offiziellen EEOC-Pressemitteilung. „Das Verbot rassistischer Diskriminierung am Arbeitsplatz ist farbenblind und verpflichtet die EEOC, Angestellte aller ethnischen Hintergründe vor rechtswidrigen Praktiken zu schützen.“
Aufruf an weiße Männer sorgte für Aufsehen
Lucas hatte bereits im Dezember 2025 mit einem ungewöhnlichen Video-Aufruf auf X (ehemals Twitter) für Schlagzeilen gesorgt. „Sind Sie ein weißer Mann, der am Arbeitsplatz aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit oder seines Geschlechts Diskriminierung erfahren hat?“, fragte sie darin und forderte Betroffene auf, sich zu melden.
Wie ABC News berichtet, wurde die Untersuchung gegen Nike zudem durch eine Beschwerde der konservativen Rechtsorganisation America First Legal angestoßen, die von Stephen Miller, einem engen Berater Trumps, gegründet wurde.
Rechtliche Grundlage und weitere Verfahren
Die EEOC beruft sich auf Titel VII des Civil Rights Act von 1964, der jede Form von Diskriminierung am Arbeitsplatz verbietet – unabhängig davon, welche Gruppe betroffen ist. Das Gesetz verbietet es Arbeitgebern ausdrücklich, ethnische Zugehörigkeit als Kriterium für Einstellungen oder andere Beschäftigungsentscheidungen zu verwenden.
Laut Al Jazeera hatte Nike zwischen 2020 und 2021 den Anteil nicht-weißer Mitarbeiter um mehr als vier Prozentpunkte erhöht – der größte Anstieg unter börsennotierten Unternehmen außerhalb des Gesundheitssektors.
Die Trump-Administration hat parallel weitere Untersuchungen gegen Diversitätsprogramme eingeleitet. Wie viele weitere Unternehmen betroffen sind, ist unklar – die EEOC darf laufende Verfahren nicht offenlegen.
Credits: APA
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