Wien. Kommt jetzt das Ende der Pädagogischen Hochschulen (PH), wie wir sie kennen? Die österreichischen Universitäten machen ernst und fordern die alleinige Kontrolle über die Ausbildung unserer Lehrer. Ein brisantes Papier der Universitätenkonferenz (uniko) liegt nun auf den Tischen der Ministerien – und es hat es in sich!
Die Universitäten wollen nicht mehr teilen. Jahrelang gab es ein Nebeneinander: Volksschullehrer kamen meist von der PH, Gymnasiallehrer von der Uni. Damit soll Schluss sein. Die uniko fordert schrittweise die gesamte Ausbildung aller Pädagogen unter ihre Fittiche zu nehmen. Das Ziel ist klar: Alles unter einem Dach, alles unter akademischer Führung.
Der geheime Plan: „Schools of Education“ als neue Machtzentren
Das Konzept ist bereits ausgearbeitet und trägt den klingenden Namen „Schools of Education“. Wie oe24.at berichtet, sieht der Plan vor, dass jede Universität, die bereits Lehrer ausbildet, eine eigene Organisationseinheit schafft. In diesen neuen Zentren sollen dann alle Fäden zusammenlaufen.
Der Clou dabei: Das Personal der Pädagogischen Hochschulen soll einfach eingegliedert werden. Die Unis wollen laut den Plänen auch die Gebäude und die Infrastruktur der PHs nutzen. In Bundesländern ohne eigene Volluniversität sollen Zweigstellen gegründet werden. Die Message ist deutlich: Die Unis übernehmen das Ruder, die PHs müssten sich unterordnen.
Kampf ums Budget und Einfluss
Hinter den Kulissen tobt längst ein Machtkampf. Denn es geht nicht nur um Lehrpläne, sondern um Geld und Einfluss. Das Bildungsministerium würde bei diesem Deal als Verlierer dastehen. Aktuell hat das Ministerium über die ihm unterstellten PHs direkten Zugriff auf die Lehrerfortbildung.
Die Universitäten versprechen sich durch die Zentralisierung Einsparungen. „Wenn alles unter einem Dach ist, verbessert dies die Personalplanung“, argumentieren die Unis laut oe24.at. Zudem soll die „Resilienz des Bildungssystems“ gestärkt werden, wenn Lehrer fernab von direkter ministerieller Weisung ausgebildet werden.
Doch die Pädagogischen Hochschulen wollen sich nicht kampflos ergeben. Wie die OÖNachrichten berichten, haben auch die PHs zuletzt Interesse angemeldet, die komplette Ausbildung zu übernehmen. Die Fronten sind verhärtet.
Studenten und Rektoren schlagen Alarm
Dass im System Feuer am Dach ist, zeigen auch Brandbriefe von Studenten und Rektoren. Wie studium.at berichtete, fordern Uni-Rektoren und die ÖH schon länger Änderungen beim Dienstrecht. Die Sorge: Durch die Verkürzung des Bachelors könnte der Master zur Makulatur verkommen und Junglehrer ohne volle Ausbildung in die Klassen geschickt werden.
Quellen: oe24.at, OÖNachrichten, studium.at, vienna.at
Credits: APA
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