Ungarn stoppt Millionen-Transport: Österreich im Zentrum eines Bankenskandals

Ungarn stoppt Millionen-Transport: Österreich im Zentrum eines Bankenskandals

Gepanzerte Geldtransporter auf dem Weg von Wien nach Kiew beschlagnahmt – FPÖ fordert Aufklärung.

Was geschah am 5. März in Budapest?

Es war eine Aktion, die in ihrer Dramatik kaum zu überbieten ist. Wie Reuters berichtet, stoppte am 5. März 2026 Ungarns Anti-Terror-Einheit TEK zwei gepanzerte Fahrzeuge der ukrainischen Staatsbank Oschadbank mitten auf dem Weg von Österreich in die Ukraine. Sieben ukrainische Staatsbürger wurden festgenommen – darunter, wie die ungarische Steuer- und Zollbehörde NAV bestätigte, ein ehemaliger General des ukrainischen Geheimdienstes. Beschlagnahmt wurden 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold. Die NAV leitete strafrechtliche Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche ein.

Österreich als Drehscheibe – Raiffeisen im Mittelpunkt

Das eigentlich Brisante: Die Fracht stammt aus Wien. Wie Euronews auf Basis einer offiziellen Stellungnahme der Oschadbank berichtet, hätten die beiden Geldtransporter „den regulären Transport von Devisen und Bankmetallen zwischen der Raiffeisen Bank Austria und der Oschadbank Ukraine“ durchgeführt – ordnungsgemäß deklariert und gemäß europäischer Zollvorschriften abgewickelt.

Die Raiffeisen Bank International wollte das auf Reuters-Anfrage weder bestätigen noch dementieren und berief sich auf das Bankgeheimnis. Wie der ORF berichtet, sind jedoch auf einem Video vom Zugriff der ungarischen Anti-Terror-Einheit im Fahrzeuginneren Kärtchen mit dem bekannten Raiffeisen-Giebelkreuz zu erkennen.

Dass es sich dabei nicht um eine Ausnahmeaktion handelt, macht Bloomberg deutlich: Der Transport soll Teil einer regulären Lieferkette gewesen sein, die Bargeld für Unternehmen und Bürger in der kriegsgebeutelten Ukraine sicherstellt. Die Oschadbank selbst betonte laut Ukrinform, ihre Kassentransporter führten solche Fahrten wöchentlich durch.

Orbán nutzt den Vorfall als Druckmittel

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Wie NBC News berichtet, ließ Ungarns Premier Viktor Orbán – mitten im Wahlkampf und kurz vor den Parlamentswahlen am 12. April – im Staatsradio unmissverständlich durchblicken: Ungarn werde Dinge stoppen, die für die Ukraine wichtig seien, bis Kiew der Durchleitung von russischem Öl durch die Druzhba-Pipeline zustimme.

Die Ukraine reagierte scharf. Wie Ukrinform berichtet, sprach Außenminister Andrii Sybiha von einer Geiselnahme: Die sieben Mitarbeiter seien über 24 Stunden ohne Zugang zu rechtlicher Hilfe oder konsularischer Unterstützung festgehalten worden. Mittlerweile sind die Ukrainer wieder zu Hause – die Fahrzeuge und das Bargeld befinden sich jedoch laut Oschadbank weiterhin in ungarischem Gewahrsam.

FPÖ fordert Aufklärung von der Bundesregierung

In Österreich schlägt die FPÖ Alarm. Wie aus der offiziellen OTS-Aussendung von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker hervorgeht, sieht er Österreich als „Drehscheibe“ in einem möglichen Finanzkrimi und fordert „lückenlose Aufklärung“ durch die Bundesregierung – es bestehe „unmittelbare Verdunkelungsgefahr“. Hafenecker fragt: Warum werden derartige Summen physisch per Transporter und nicht per Überweisung transferiert? Und wer sind die tatsächlichen Endbegünstigten?

Zusätzlich verweist Hafenecker darauf, dass die ÖVP auf EU-Ebene für Sanktionsausnahmen zugunsten der Raiffeisen Bank geworben habe – jener Bank, die nun im Zentrum des Vorfalls steht.

Was bleibt offen?

Die entscheidenden Fragen sind noch ungeklärt. Wie der Kyiv Post zufolge der österreichische Anwalt Dr. Lóránt Horváth – Rechtsvertreter der Oschadbank-Mitarbeiter – erklärte, wurden die sieben Ukrainer zu keinem Zeitpunkt formal angeklagt: Sie galten lediglich als Zeugen in einem Verfahren gegen unbekannte Täter. Ungarn ermittelt wegen Geldwäsche, die Ukraine spricht von legalem Routinetransport. Die österreichische Bundesregierung hat sich bislang nicht geäußert. Das dürfte nicht lange so bleiben.


Quellen: oe24.at, ORF.at, Reuters, Kyiv Post, Euronews, NBC News, Bloomberg, Ukrinform, OTS-Pressedienst (FPÖ), Oschadbank-Stellungnahme
Credits: APA

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