Ukrainische Drohnen im NATO-Land: Finnland meldet Luftraumverletzung bei Kouvola

Ukrainische Drohnen im NATO-Land: Finnland meldet Luftraumverletzung bei Kouvola

Zwei unbemannte Flugkörper schlagen im Südosten Finnlands auf – Helsinki zeigt sich alarmiert und zieht Kampfjets auf.


Vorfall am Sonntagmorgen

Im Südosten Finnlands sind am Sonntagmorgen zwei Drohnen abgestürzt – nördlich und östlich der Stadt Kouvola, rund 70 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Wie der öffentlich-rechtliche finnische Rundfunk Yle berichtet, hatte das Verteidigungsministerium zuvor mehrere niedrig fliegende Objekte im finnischen Luftraum geortet und daraufhin F/A-18-Hornet-Kampfjets zur Identifizierung aufsteigen lassen. Abgeschossen wurden die Drohnen nicht – um Kollateralschäden am Boden zu vermeiden. Berichte über Verletzte oder Sachschäden gibt es nicht.

Die finnische Luftwaffe bestätigte laut Yle anschließend, dass es sich bei mindestens einer der Drohnen um eine ukrainische handelt – konkret um eine AN-196 „Ljuty“, ein ukrainisches Langstrecken-Kamikaze-UAV, das als Antwort auf die russische Shahed-Drohne entwickelt wurde.

Helsinki spricht von „sehr ernster“ Angelegenheit

Finnlands Verteidigungsminister Antti Häkkänen ließ keinen Zweifel an der Schwere des Vorfalls. Wie Yle berichtet, erklärte er: „Drohnen haben sich in Finnlands Territorium verirrt. Wir nehmen das sehr ernst.“ Das Verteidigungsministerium stufte den Vorfall offiziell als mutmaßliche Verletzung der territorialen Integrität ein.

Ministerpräsident Petteri Orpo bestätigte laut watson.ch, die Drohnen stammten „wahrscheinlich“ aus der Ukraine und stünden im Zusammenhang mit den gezielten ukrainischen Angriffen auf die russische Ölindustrie. Orpo bezeichnete den Vorfall ebenfalls als ernste Angelegenheit und schloss nicht aus, eine Sitzung des Präsidenten und der Regierung einzuberufen.

Hintergrund: Angriff auf Ust-Luga

Der Kontext des Vorfalls liegt auf der Hand. Wie Euronews berichtet, hatte die Ukraine am Wochenende erneut den strategisch wichtigen russischen Erdölexporthafen Ust-Luga an der Ostsee angegriffen und in Brand gesetzt. Der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, bestätigte den Treffer per Telegram – und meldete zugleich, die russische Flugabwehr habe 31 Drohnen im Leningrader Gebiet abgeschossen. Einige der Flugkörper verfehlten offensichtlich ihr Ziel und trieben weiter in den finnischen Luftraum ab.

Kein Einzelfall in der Region

Wie vienna.at unter Berufung auf APA-Meldungen festhält, ist dies kein einmaliger Vorfall. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind wiederholt fehlgeleitete ukrainische Drohnen in die Lufträume der baltischen NATO-Staaten eingedrungen und abgestürzt. Ende März trafen ähnliche Vorfälle bereits Litauen und Lettland. Keines der betroffenen Länder hat bislang bestätigt, seinen Luftraum offiziell für ukrainische UAV-Flüge freigegeben zu haben.

Für Finnland, das erst 2023 der NATO beigetreten ist und eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze mit Russland teilt, sind solche Vorfälle politisch besonders heikel – auch wenn die Drohnen diesmal aus der eigenen Allianz stammen.


Quellen: exxpress.at, Yle (yle.fi, zit. n. exxpress.at und watson.ch), Euronews (de.euronews.com), watson.ch, vienna.at

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