Ukraine weitet Aktionsradius aus: Drohnenangriff auf russischen Tanker im Mittelmeer

Ukraine weitet Aktionsradius aus: Drohnenangriff auf russischen Tanker im Mittelmeer

In einer bemerkenswerten Ausweitung des militärischen Konflikts hat die Ukraine einen russischen Tanker im Mittelmeer angegriffen. Nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU wurde der Tanker „Qendil“ durch einen gezielten Drohnenangriff schwer beschädigt. Wie das Magazin Focus unter Berufung auf den SBU berichtet, handelte es sich um eine Operation gegen ein Schiff der sogenannten russischen Schattenflotte – mehr als 2.000 Kilometer vom ukrainischen Heimatgebiet entfernt.

Gezielte Operation fernab der Front

Der Vorfall markiert den ersten bekannten ukrainischen Angriff in den neutralen Gewässern des Mittelmeeres. Ein auf der Plattform X veröffentlichtes Video zeigt Explosionen an Bord des Schiffes, das laut n-tv zuletzt südwestlich von Kreta geortet wurde. Durchgeführt wurde der Angriff laut SBU von der Spezialeinheit Alpha. Der Tanker, der zum Zeitpunkt der Attacke keine Ladung an Bord hatte, sei durch die Detonationen „betriebsunfähig“ gemacht worden.

Der SBU rechtfertigt den Angriff damit, dass Russland das Schiff genutzt habe, „um Sanktionen zu umgehen und Geld für den Krieg gegen die Ukraine zu verdienen“, wie die Weltwoche berichtet. Aus ukrainischer Sicht stellt die „Qendil“ daher ein legitimes militärisches Ziel dar.

Strategischer Schlag gegen die Schattenflotte

Der Angriff zielt auf eine kritische wirtschaftliche Ader Russlands. Um westliche Sanktionen und den Preisdeckel für Öl zu umgehen, setzt Moskau auf eine sogenannte Schattenflotte. Diese besteht oft aus älteren Schiffen mit undurchsichtigen Eigentumsverhältnissen, die unter fremden Flaggen fahren. Die Zeit merkt an, dass allein auf der EU-Sanktionsliste mehr als 400 solcher Schiffe stehen, während die Gesamtgröße der Flotte auf bis zu 1.000 Schiffe geschätzt wird.

Bislang konzentrierten sich ukrainische Angriffe auf solche Schiffe vornehmlich auf das Schwarze Meer. Die Ausweitung der Operationen ins Mittelmeer demonstriert neue militärische Reichweiten und den Willen Kiews, russische Einnahmequellen global zu stören.

Geopolitische Implikationen

Der Vorfall hat auch politische Wellen geschlagen. Wie 20 Minuten berichtet, äußerte sich der russische Präsident Wladimir Putin im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz zu den Angriffen auf die Energieexport-Infrastruktur. Er räumte ein, dass solche Attacken zwar das System nicht zerstörten, aber zu höheren Versicherungskosten führten und eine zusätzliche Bedrohung darstellten. Zudem kündigte er eine Reaktion der russischen Seite an.

Experten werten den Angriff als Signal, dass sich russische Schiffe auch fernab der direkten Frontlinie nicht mehr sicher fühlen können. Die operative Fähigkeit der Ukraine, Ziele über Distanzen von mehreren tausend Kilometern anzugreifen, könnte die Logistik der russischen Ölexporte nachhaltig erschweren und verteuern.

Credits: APA

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