Ukraine und Saudi-Arabien schließen Verteidigungspakt — Drohnen-Know-how gegen Ressourcen

Ukraine und Saudi-Arabien schließen Verteidigungspakt — Drohnen-Know-how gegen Ressourcen

Bei einem Überraschungsbesuch in Dschidda hat die Ukraine mit Saudi-Arabien ein Abkommen über Rüstungskooperation unterzeichnet. Der Deal ist ein Signal: Kiew sucht sich neue Partner — und positioniert sich als Exporteur von Kriegserfahrung.

Was unterzeichnet wurde — und was Selenskyj dazu sagt

Die Verteidigungsministerien beider Länder haben sich auf eine Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich geeinigt. Das Dokument wurde am Freitag in Dschidda kurz vor einem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman unterzeichnet, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X bekanntgab.

Selenskyj formulierte das Ziel klar: Der Pakt lege laut seiner Aussage „die Grundlage für weitere Verträge, technologische Zusammenarbeit und Investitionen und stärkt die internationale Rolle der Ukraine als Lieferant von Sicherheit.“ Details zu konkreten Waffensystemen oder Lieferzusagen nannte er nicht — was Saudi-Arabien genau in die Partnerschaft einbringt, blieb offen. „Saudi-Arabien hat das, woran die Ukraine interessiert ist“, schrieb Selenskyj lapidar.

Drohnenabwehr als ukrainisches Exportprodukt

Der Kern des ukrainischen Angebots: fünf Jahre Kriegserfahrung im Umgang mit russischen Drohnen und ballistischen Raketen. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf Selenskyjs Aussagen berichtet, verfügt die Ukraine über einzigartiges praktisches Know-how bei der Abwehr genau jener Waffen, die der Iran derzeit im Nahen Osten einsetzt.

Saudi-Arabien sucht seit Beginn des Iran-Krieges nach bezahlbaren Alternativen zu teuren westlichen Abfangsystemen. Wie die Berliner Zeitung berichtet, hatte Selenskyj Anfang März nach einem ersten Gespräch mit dem Kronprinzen das ukrainische Angebot zur Drohnenabwehrhilfe bereits erneuert. Laut ORF sind ukrainische Militärs bereits seit einer Woche in Saudi-Arabien — der Rüstungspakt kommt damit nicht aus dem Nichts.

Gesprächsthemen: Iran, Energie, Russland

Beim Treffen mit Mohammed bin Salman standen laut ORF mehrere Themen auf der Agenda: die Lage im Nahen Osten und am Persischen Golf, die russische Unterstützung für den Iran, die angespannte Situation auf den globalen Treibstoffmärkten sowie mögliche Energiekooperationen zwischen beiden Ländern.

Die Ukraine versucht damit, ihre geopolitische Isolation zu durchbrechen und sich als verlässlicher Sicherheitspartner auch jenseits des Westens zu etablieren — ausgerechnet in einem Moment, in dem die westliche Militärhilfe unter Druck gerät. Wie die Berliner Zeitung berichtet, erwägt das Pentagon, Rüstungsgüter aus dem Ukraine-Paket in den Nahen Osten umzuleiten, da der Iran-Konflikt die amerikanischen Munitionsvorräte belastet. Ungarn blockiert zudem EU-Hilfen für Kiew.

Chancen und Risiken des neuen Partners

Experten mahnen zur Vorsicht. Laut Berliner Zeitung warnte Bohdan Popow, Chefanalyst der Beratungsfirma Triada Trade Partners, vor Risiken beim Technologietransfer: Viele private Hersteller versuchten, Hochtechnologie direkt zu kopieren. Besonders heikel sei die Nähe Saudi-Arabiens zu Russland — beide Länder schlossen erst im Dezember ein Abkommen über visafreies Reisen. Gleichzeitig ermögliche die geringere Regulierung in der Golfregion schnellere Geschäftsabschlüsse als mit westlichen Partnern.


Quellen:

  • Selenskyj auf X (ehemals Twitter): Erklärung zur Unterzeichnung des Verteidigungsabkommens (27.03.2026)
  • ORF.at / dpa-AFX: Ukraine verkündet Rüstungskooperation mit Saudi-Arabien (27.03.2026) — orf.at
  • Berliner Zeitung: Ukraine und Saudi-Arabien schließen Verteidigungspakt (27.03.2026) — berliner-zeitung.de
  • Tagesspiegel / dpa: Drohnenabwehr: Ukraine verkündet Rüstungskooperation mit Saudi-Arabien (27.03.2026) — tagesspiegel.de

Credits. APA

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