Beim EU-Gipfel in Brüssel sorgte Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni für eine unerwartete Wendung: Laut Diplomaten äußerte sie hinter verschlossenen Türen Verständnis für Viktor Orbáns Veto gegen den Ukraine-Kredit. Ihr Büro wies die Darstellung sofort zurück.
Was Politico berichtet
Wie das EU-Nachrichtenportal Politico unter Berufung auf fünf Diplomaten aus vier verschiedenen europäischen Ländern berichtet, erklärte Meloni in einer nichtöffentlichen Gipfelsitzung, sie verstehe, warum Orbán das im Dezember bereits gebilligte 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine nun blockiere. Wie die Ukrainska Pravda unter Berufung auf denselben Politico-Bericht festhält, soll ein Diplomat Meloni mit den Worten zitiert haben, Orbáns Haltung sei „normal“, weil „Dinge sich ändern“, und: Wäre sie in derselben Situation, würde sie das verstehen. Gleichzeitig habe sie betont, weiterhin persönlich für eine sofortige Auszahlung des Kredits einzutreten.
Dementi aus Rom
Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf den Politico-Bericht festhält, wies ein Beamter aus Melonis Büro die Darstellung unmittelbar zurück: Die zugeschriebene Aussage sei „völlig haltlos“. Auffällig ist dabei laut Politico, dass keiner der fünf Diplomaten aus Italien stammte – die Berichte stützen sich ausschließlich auf externe Gesprächsteilnehmer.
Orbáns Bedingung und die Reaktionen
Wie Euronews berichtet, knüpft Orbán seine Zustimmung daran, dass russisches Öl wieder über die Druschba-Pipeline nach Ungarn fließt – die Leitung wurde Ende Januar 2026 durch russische Luftangriffe beschädigt. Die EU betont, dass beide Fragen nicht miteinander verknüpft werden dürften. Wie die Weltwoche festhält, bezeichnete EU-Ratspräsident António Costa das Vorgehen als „inakzeptabel“ und als Verstoß gegen grundlegende Kooperationsprinzipien. Wie die Berliner Zeitung berichtet, erwarten viele EU-Vertreter, dass die ungarischen Parlamentswahlen am 12. April – bei denen Orbán laut Umfragen hinter der Opposition liegt – zu einem Einlenken führen könnten.
Meloni zwischen den Stühlen
Wie die Ukrainska Pravda in ihrer Einordnung festhält, folgt Meloni als Regierungschefin Italiens in der Regel der EU-Hauptlinie, obwohl sie politisch dem rechten Lager zugehört – ebenso wie Orbán. Das berichtete Verständnis für Orbáns Position, ob nun korrekt wiedergegeben oder nicht, fiel beim Gipfel aus dem Rahmen und ließ kurzzeitig Risse im bis dahin einheitlichen Auftreten der 25 übrigen EU-Staaten erkennen. Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf AFP berichtet, sagte auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, es gebe keinen Plan B – weil der Plan A eingehalten werden müsse. Die EU-Geschlossenheit bleibe das entscheidende Gut.
Quellen:
- Politico (politico.eu), 19. März 2026
- Ukrainska Pravda (pravda.com.ua), 19./20. März 2026
- Berliner Zeitung (berliner-zeitung.de), 19./20. März 2026
- Euronews (euronews.com), 18. März 2026
- Weltwoche (weltwoche.de), 20./21. März 2026
- NÖN.at / DPA, 20. März 2026
Credits: APA
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