Über 400 Islamisten aus Syrien nach Deutschland zurückgekehrt – Verfassungsschutz warnt

Über 400 Islamisten aus Syrien nach Deutschland zurückgekehrt – Verfassungsschutz warnt

Mindestens 470 „Gotteskrieger“ sind laut Bundesregierung aus Syrien zurück in Deutschland. Der Verfassungsschutz spricht von hohen Risiken durch dschihadistische Rückkehrer – zumal nach dem Sturz Assads offenbar Islamisten aus Haftlagern fliehen konnten.

Jeder vierte Dschihadist starb im Krieg

Wie der Tagesspiegel berichtet, waren laut Innenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) über 470 islamistische Männer und Frauen in die Bundesrepublik zurückgekehrt. Davon haben circa 30 Deutschland wieder verlassen – darunter Abgeschobene. Insgesamt waren 1.150 deutsche Islamisten sowie aus Deutschland stammende ausländische Dschihadisten seit 2011 nach Syrien und in den Irak gereist.

Ein Viertel der ausgereisten Islamisten starb während des Krieges. Nach Erkenntnissen des Ministeriums halten sich 35 Prozent der Ausgereisten noch im Ausland auf, „ein relevanter Anteil“ davon in Syrien.

Unterstützung für den „Islamischen Staat“

Überwiegend unterstützten die aus Deutschland stammenden Freiwilligen in Syrien diverse Dschihadisten, vorrangig den „Islamischen Staat“ (IS). Das Terrornetzwerk beherrschte zwischen 2014 und 2019 große Territorien in Syrien und im benachbarten Irak.

Verfassungsschutz: „Hohe Gefahr“ durch Rückkehrer

Grundsätzlich stellten Menschen, die aus Syrien zurückkehren und während ihres Aufenthalts dort an Waffen ausgebildet und islamistisch indoktriniert wurden, eine hohe Gefahr dar, teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) mit. Viele seien zudem durch das Erlebte traumatisiert.

Der Inlandsgeheimdienst warnt besonders vor Frauen und Jugendlichen, die im Lager al-Hol über Jahre festgehalten wurden. Insbesondere Kinder, die unter IS-Herrschaft und später in den Lagern aufgewachsen seien, könnten „höchst traumatisiert und radikalisiert sein“, so das BfV.

40 Deutsche in kurdischem Gewahrsam – Ausbrüche möglich

Nach Angaben des Verfassungsschutzes waren vor Beginn der jüngsten Offensive etwa 40 Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit in Gewahrsam kurdischer Kräfte. Die syrische Übergangsregierung rückte in den vergangenen Wochen immer weiter in die bisher kurdisch kontrollierten Gebiete im Nordosten Syriens vor. Dort liegen mehrere Lager und Gefängnisse für IS-Kämpfer und deren Angehörige.

Die Kontrolle über das al-Schaddadi-Gefängnis, das Lager al-Hol und möglicherweise auch ein Gefängnis in al-Rakka sei von Truppen der syrischen Regierung übernommen worden. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es dabei zu Ausbrüchen und unkontrollierten Freilassungen kam“, warnt das BfV.

Ob sich darunter auch Menschen mit Bezug zu Deutschland befanden, ist bislang nicht bekannt. Die Lage in Syrien sei aktuell äußerst volatil und dynamisch, heißt es in Sicherheitskreisen.

Polizeigewerkschaft warnt vor Racheakten

Die Gewerkschaft der Polizei warnte, dass einzelne Islamisten „auf Rache sinnen“ könnten. Das Verhalten der bisherigen Rückkehrer aus den vormaligen IS-Gebieten in Syrien ist laut Verfassungsschutz sehr unterschiedlich. Es reiche von einem Rückzug ins Private bis hin zur Wiederaufnahme von Aktivitäten in der islamistischen Szene.

Bisher keine Anschläge durch Syrien-Rückkehrer

Anschläge in Deutschland wurden von Syrien-Rückkehrern bislang nicht verübt. Im Herbst 2023 wurde allerdings ein Syrien-Rückkehrer verhaftet, der im März 2025 zu acht Jahren Haft verurteilt wurde. Das Duisburger Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass sich der 30-Jährige bereiterklärt hatte, einen Anschlag auf eine pro-israelische Demonstration zu verüben. Er war 2013 nach Syrien gereist und nach seiner Rückkehr 2017 zu fünf Jahren Jugendhaft verurteilt worden.

Keine Rückholung geplant

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts betonte: „Eine Rückholung der dort inhaftierten Männer ist nach derzeitigem Stand nicht geplant.“ Nur deutsche IS-Frauen und ihre Kinder hatte die Bundesregierung aus von Syriens Kurden bewachten Gefangenenlagern zurückholen lassen.

Credits: APA

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