Tunnel-Streit endet mit Abschied: Wolfgang Porsche will Stefan-Zweig-Villa in Salzburg verkaufen

Tunnel-Streit endet mit Abschied: Wolfgang Porsche will Stefan-Zweig-Villa in Salzburg verkaufen

Nach mehr als einem Jahr politischen Dauerstreits um einen Privattunnel durch den Kapuzinerberg will Wolfgang Porsche seine Salzburger Villa offenbar verkaufen. Aus seinem Umfeld ist von „Superreichen-Bashing“ die Rede – politisch wird der Fall zum Spielball.

Das Anwesen und sein Preis

Das sogenannte „Paschinger Schlössl“ auf dem Salzburger Kapuzinerberg – einst Wohnsitz des Schriftstellers Stefan Zweig, bevor dieser 1934 vor den Nationalsozialisten floh – wird derzeit auf der französischen Luxus-Immobilienplattform „Le Figaro Properties“ für 14,6 Millionen US-Dollar angeboten, umgerechnet rund 12,7 Millionen Euro, wie t-online, Salzburg24 und der ORF Salzburg übereinstimmend berichten. Wolfgang Porsche hatte das unter Denkmalschutz stehende Anwesen im Oktober 2020 für 8,4 Millionen Euro erworben und anschließend aufwendig renoviert. Die Villa umfasst zwölf Zimmer auf rund 616 Quadratmetern Wohnfläche, das Grundstück ist knapp 7.800 Quadratmeter groß. Laut ORF Salzburg spricht das Porsche-Immobilienmanagement bislang offiziell nur von „Überlegungen“ zum Verkauf – eine endgültige Entscheidung ist demnach noch nicht gefallen.

Der Tunnel, die Petition, die Genehmigung

Auslöser des Rückzugs ist nach Angaben aus dem Porsche-Umfeld der monatelange Streit um ein Tunnelprojekt. Porsche hatte geplant, einen rund 500 Meter langen Privattunnel samt Tiefgarage durch den Kapuzinerberg zu bauen, um eine unterirdische Zufahrt zur Villa zu schaffen – auf eigene Kosten von rund zehn Millionen Euro, wie das Handelsblatt berichtet. Als die Pläne im Frühjahr 2025 publik wurden, formierte sich massiver Widerstand: Grüne, KPÖ und Umweltschützer warfen der Stadt eine Sonderbehandlung für einen politisch vernetzten Milliardär vor. Im Mai 2025 wurden laut Salzburg24 rund 16.000 gesammelte Petitionsunterschriften an Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) übergeben – weitere Proteste folgten, darunter Demonstrationen auch vor dem Porsche-Stammsitz in Stuttgart. Dennoch erteilten sowohl die Stadt im September als auch das Land Ende November 2025 die Genehmigung für Tunnel und Tiefgarage.

Pikant: Im Verkaufsinserat wird die bereits genehmigte Tunnelplanung ausdrücklich als Vorzug des Anwesens angepriesen, wie Salzburg24 berichtet. Umsetzen und finanzieren müsste das Projekt freilich ein künftiger Käufer selbst.

„Superreichen-Bashing“ aus dem Porsche-Umfeld

Die Tunnel-Kontroverse sei aber nicht der alleinige Grund für den Rückzug, heißt es laut Salzburg24 und ORF Salzburg aus dem Umfeld des 83-Jährigen. Es habe sich eine allgemeine „Neiddebatte“ in der Stadt entwickelt, die Porsche die Freude an seinem Salzburger Anwesen gründlich verdorben habe. Aus engeren Umfeld-Kreisen wird der Ton laut Salzburg24 noch schärfer: Offen sei von massivem „Superreichen-Bashing“ die Rede.

Auinger setzt Frist – und schließt Ankauf aus

Bürgermeister Auinger reagierte am Montag mit einer Klarstellung gegenüber der APA, wie Salzburg24 berichtet: Die Genehmigung für Tunnel und Tiefgarage sei an das Gebäude gebunden, nicht an die Person Porsche. „Daran ändert ein Verkauf nichts“, so Auinger. Allerdings sei noch keine Bauverhandlung durchgeführt worden, und die Bewilligung erlösche nach drei Jahren – der Bau müsse also bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Einen Kauf des Anwesens durch die Stadt schloss Auinger aus finanziellen Gründen aus.

FPÖ: „Politische Schande“ – WKÖ: Steuerausfall droht

Für die Salzburger FPÖ ist der Abgang Porsches ein politisches Symbol. Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek sprach laut exxpress von einer „politischen Schande“ und machte die „von Kommunisten und Grünen unter sozialistischer Duldung befeuerte Neiddebatte“ für den Rückzug verantwortlich. Die Stadtregierung verjage „eine der wichtigsten Traditionsfamilien aus Salzburg.“ FPÖ-Stadtparteiobmann Paul Dürnberger forderte Bürgermeister Auinger auf, „diesem linken Treiben ein Ende zu setzen.“

Wirtschaftskammer-Vizepräsident Norbert Ranftler schlug in die gleiche Kerbe: „Durch den Weggang von Wolfgang Porsche entsteht kein einziger Arbeitsplatz und keine einzige leistbare Wohnung mehr in Salzburg“, wird er von exxpress zitiert. Verlorene Steuereinnahmen könne „keine KPÖ-Geldverteilaktion im Ansatz ausgleichen.“

Credits: Von Anton-kurt – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 at, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21142140

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