Holzleitner krempelt Österreichs Unisystem um – aber Details fehlen

Holzleitner krempelt Österreichs Unisystem um – aber Details fehlen

Keine Parallelstudien mehr am gleichen Ort, ein neues Teilzeitstudium und das Ende der umstrittenen Kettenvertragsregelung – Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hat eine Zwischenbilanz zur Hochschulstrategie 2040 präsentiert, die das österreichische Unisystem grundlegend umstrukturieren soll.

Wissenschaftsregionen als neues Steuerungsprinzip

Herzstück der Pläne ist laut ORF und VOL.AT die Einführung sogenannter Wissenschaftsregionen. Der Grundsatz dahinter, den Holzleitner bei einer Pressekonferenz am Montag verkündete: „Ein Standort, ein Studium.“ Konkret soll es künftig keine Parallelangebote von Studien am gleichen Standort mehr geben – verschiedene Hochschulen in einer Region sollen sich also nicht gegenseitig Konkurrenz machen, sondern ihre Studienangebote koordinieren und aufeinander abstimmen. „Die Zukunft liegt nicht in der Konkurrenz, sondern in guter Zusammenarbeit“, so die Ministerin laut SN.at. Man brauche künftig eine „Wissenschaftssteuerung aus einem Guss“, da derzeit Anreize zur Profilbildung einzelner Institutionen fehlten oder schwer umsetzbar seien.

Teilzeitstudium soll kommen

Neben der regionalen Koordination soll laut ORF auch ein formales Teilzeitstudium eingeführt werden – ein Modell, das es Studierenden ermöglicht, ihr Studium offiziell in reduziertem Tempo zu absolvieren, ohne dabei in Prüfungsfristen-Konflikte zu geraten. Besonders für Berufstätige, Eltern und Menschen mit Beeinträchtigungen könnte das eine erhebliche Erleichterung bedeuten.

Ende der Kettenverträge und Kurienabschaffung

Zwei weitere Punkte dürften vor allem das wissenschaftliche Personal und die Hochschulgremien aufhorchen lassen, wie der ORF berichtet. Erstens soll die Kettenvertragsregelung an Universitäten gestrichen werden – sie begrenzt derzeit die Dauer befristeter Arbeitsverträge und führte dazu, dass viele Forscher und Lehrende nach mehreren Vertragsperioden ohne Anschlussperspektive dastehen. Zweitens soll das Kurienmodell in den Uni-Gremien abgeschafft werden, das die verschiedenen universitären Gruppen – Professoren, Mittelbau, Studierende, allgemeines Personal – nach Kurien mit unterschiedlichem Stimmgewicht organisiert. Stattdessen sollen laut ORF die Senate gegenüber den Uniräten mehr Kompetenzen erhalten.

Budget bleibt Tabuthema

Bedeckt hielt sich Holzleitner bei der Pressekonferenz zum Unibudget, wie der ORF berichtet. Dieses werde bis Ende Oktober vorliegen, sagte sie. Dabei steht fest: Laut Budgetvoranschlag kommt es im Hochschulbereich kommendes Jahr zu einem Minus von knapp 135 Millionen Euro, 2028 sollen weitere fast 35 Millionen wegfallen. Die geplanten Einsparungen hatten zuletzt an den Unis für einen Aufschrei gesorgt, im Herbst sind laut ORF bereits größere Proteste geplant. Ein Plus gibt es immerhin bei der Grundlagenforschung.

ÖH begrüßt Pläne, Grüne kritisieren

Die Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) begrüßte die Vorhaben Holzleitners laut ORF in einer Aussendung. Die Grünen hingegen orteten ein „Ablenkungsmanöver“ – ein Seitenhieb auf die fehlenden Budgetdetails und die Tatsache, dass konkrete Umsetzungspläne für die verkündeten Reformen bislang weitgehend fehlen.

Credits: BKA Christopher Dunker

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x