Fast zwei Stunden, ein Rekord, viel Selbstlob – und mittendrin ein rauswurfwürdiger Abgeordneter. Trumps erste State of the Union seiner zweiten Amtszeit war großes politisches Theater. Und hinter der Kulisse brodelt es.
Der längste Monolog der US-Geschichte
Dienstagabend, Washington, Kapitol. US-Präsident Donald Trump betritt den Saal zu „USA!“-Sprechchören seiner Parteifreunde und hält anschließend die längste Rede zur Lage der Nation, die je ein amerikanischer Präsident gehalten hat – knapp zwei Stunden, wie das renommierte American Presidency Project der University of California bestätigt. Der bisherige Rekordhalter war Bill Clinton mit 88 Minuten im Jahr 2000.
Trump eröffnete triumphal: „Unsere Nation ist zurück – größer, besser, reicher und stärker als jemals zuvor. Das ist das goldene Zeitalter Amerikas.“ Der Saal tobte – zumindest auf der republikanischen Seite.
Migration, Zölle, Demokraten: Die Großthemen
Im Mittelpunkt stand Trumps Innen- und Wirtschaftspolitik. Wie die Washington Post berichtet, verteidigte Trump seine Massenabschiebungen und betonte: „Die erste Pflicht der amerikanischen Regierung ist es, amerikanische Bürger zu schützen“ – nicht illegale Einwanderer. Demokratische Abgeordnete wie Ilhan Omar und Rashida Tlaib unterbrachen ihn mit Zwischenrufen, als er die Migrationspolitik seiner Regierung als Erfolg darstellte.
Bei der Zollpolitik lieferte Trump eine bemerkenswerte Szene: Er rügte direkt vor versammelten Richtern das Urteil des Obersten Gerichtshofs, der ihm wenige Tage zuvor untersagt hatte, Importzölle auf Basis eines Notstandsgesetzes zu verhängen. Das Urteil sei „sehr unglücklich“, sagte er – und kündigte an, Zölle künftig über andere Rechtsgrundlagen durchzusetzen. Noch am Tag des Urteils hatte er per Dekret einen globalen 10-Prozent-Zoll eingeführt, der binnen 24 Stunden auf 15 Prozent angehoben wurde.
Den Demokraten warf Trump vor, für die hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich zu sein: „Ihre Politik hat die hohen Preise verursacht.“ Dass seine eigenen Zölle nach Erkenntnissen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft zu 96 Prozent von US-Unternehmen und Bürgern getragen werden, ließ er unerwähnt.
Iran: Große Spannung, wenig Substanz
Mit besonderer Spannung war Trumps Aussage zum Iran erwartet worden. Die USA haben zuletzt massiv Militär in die Region verlegt – zwei Flugzeugträger und 14 Kriegsschiffe stehen im Arabischen Meer. Vergangene Woche hatte Trump dem Iran ein Ultimatum von 10 bis 15 Tagen für einen Atom-Deal gestellt, „sonst werden schlimme Dinge passieren.“
Doch im Kongress blieb Trump vage. Wie CBS News berichtet, bekräftigte er lediglich: „Ich werde niemals zulassen, dass der Iran eine Atomwaffe besitzt.“ Dann: „Wir befinden uns in Verhandlungen. Sie wollen einen Deal machen.“ Auf die Frage, was als Nächstes kommt, antwortete Trump nur: „Wir werden sehen.“
Demokratische Senatoren, darunter Geheimdienstausschuss-Chef Mark Warner, zeigten sich nach einer Geheimdienstbriefing durch Außenminister Rubio und CIA-Direktor Ratcliffe besorgt. Warner sagte: „Der Präsident muss der Bevölkerung erklären, was die Ziele der USA sind.“
Eklat und Olympia-Ehrung
Abseits der politischen Kernthemen bot die Rede auch ungewöhnliche Momente. Der demokratische Abgeordnete Al Green wurde aus dem Saal eskortiert, nachdem er ein Schild hochgehalten hatte. Trump ehrte den 100-jährigen Kriegsveteran Capt. Royce Williams mit der Medal of Honor – einer der wenigen Momente, der parteiübergreifenden Applaus auslöste. Und er lud das US-Eishockey-Team ein, das wenige Tage zuvor bei den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina Gold gegen Kanada gewonnen hatte.
Midterms im Hinterkopf
Trumps Rede fiel in politisch angespannte Zeiten: Das Heimatschutzministerium ist seit fast zwei Wochen ohne frisches Geld, weil sich Demokraten und Republikaner über die Finanzierung der Einwanderungsbehörde ICE streiten. Und laut aktuellen Umfragen verliert Trump in der Bevölkerung zunehmend an Rückhalt – besonders bei unabhängigen Wählern, die seine aggressive Migrationspolitik zunehmend kritisch sehen. Im November stehen die wichtigen Zwischenwahlen an, bei denen die Republikaner ihre hauchdünne Mehrheit in beiden Kammern verlieren könnten.
Quellen: oe24.at (25.02.2026) · Washington Post (24.02.2026) · PBS NewsHour (24.02.2026) · CBS News (24.02.2026) · NBC News (24.02.2026) · CBC (25.02.2026) · CNBC (24.02.2026) · ZDF heute (24.02.2026) · American Presidency Project, University of California · Kieler Institut für Weltwirtschaft
Credits: APA
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