Was wie eine impulsive Eskalation wirkt, könnte in Wirklichkeit das konsequente Umsetzen einer jahrzehntealten Überzeugung sein.
1988: Die Blaupause
Es war ein Interview zur Buchpromotion, das nachhallt wie kaum ein zweites. Wie Newsweek und NPR unter Verweis auf ein Guardian-Gespräch aus dem Jahr 1988 dokumentieren, sagte Donald Trump damals: „Ich wäre hart gegenüber dem Iran. Sie schlagen uns psychologisch, lassen uns wie Idioten aussehen. Ein einziger Schuss auf einen unserer Männer oder Schiffe – und ich würde Kharg Island treffen. Ich würde reingehen und es einnehmen.“ Trump warb damals für sein Buch „The Art of the Deal“. Iran war für ihn kein abstraktes außenpolitisches Problem – sondern ein Symbol für amerikanische Schwäche, die er beenden wollte.
Wie die Weltwoche unter Verweis auf eine Financial Times-Analyse berichtet, geht die Kontinuität sogar noch weiter zurück: Bereits 1987 schaltete Trump Zeitungsanzeigen, in denen er die damalige US-Regierung für ihre Zurückhaltung in der Golfregion scharf kritisierte. Seine Kernfrage lautete: „Was ist der Zweck militärischer Stärke, wenn man sie nicht gelegentlich einsetzt, um die Dinge zu ordnen?“
Kharg Island: Vom Zitat zum Bombenangriff
Fast vier Jahrzehnte später ist aus dem Gedankenspiel Realität geworden. Wie Time Magazine und NPR berichten, ließ Trump die Insel Kharg Island im März 2026 militärisch angreifen – das US Central Command meldete die Zerstörung sämtlicher militärischer Ziele auf Irans wichtigstem Ölexporthafen. Trump schrieb auf Truth Social von einem der kraftvollsten Bombenangriffe in der Geschichte des Nahen Ostens.
Wie Axios festhält, verantwortet Kharg Island rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte. Die Insel liegt rund 25 Kilometer vor der Küste im Persischen Golf und hat tiefe Naturhäfen, die Supertanker anlaufen können. Für Iran ist sie wirtschaftliche Lebensader und strategisches Druckmittel zugleich.
Trump selbst hat seinen Plan bestätigt. Wie NPR berichtet, sagte er bei einem Treffen mit dem irischen Premierminister: „Ich hatte recht. Ich sagte, man muss Kharg Island angreifen – damals, als sie schon unruhig waren.“ Die Drohung, auch die Ölinfrastruktur zu zerstören, ließ er ebenfalls offen. „Wir können das in fünf Minuten erledigen. Aber für den Wiederaufbau des Landes haben wir es vorerst gelassen – es könnte sich aber ändern“, so Trump laut NPR.
Die Verbündeten als Kostenproblem
Hinter Trumps Iran-Strategie steckt noch eine zweite, ebenso langlebige Überzeugung: die Ablehnung eines Bündnisses, das er als Einbahnstraße betrachtet. Wie die Weltwoche aus der FT-Analyse zitiert, formulierte Trump bereits 1987: „Wir schützen Schiffe, die uns nicht gehören, transportieren Öl, das wir nicht brauchen, für Verbündete, die uns nicht helfen.“ Dieser Satz könnte heute so stehen, nachdem Trump Europa aufgefordert hat, sich an der Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen – und die meisten Verbündeten abgelehnt haben. Gegenüber NATO-Mitgliedern, die sein Ultimatum ausschlugen, wurde Trump laut Weltwoche deutlich: Er drohte, deren Verhalten bei der künftigen Lastenverteilung zu berücksichtigen.
Impuls oder Doktrin?
Die Analyse der Financial Times, auf die die Weltwoche sich stützt, kommt zu einem klaren Schluss: Trumps Handeln ist kein Produkt kurzfristiger Impulse. Es ist Ausdruck eines über Jahrzehnte stabilen strategischen Denkens – der Überzeugung, dass ein massiver, punktueller Einsatz von Gewalt genügt, um ein Regime zur Kapitulation zu zwingen, kombiniert mit der Forderung, dass die Verbündeten für ihren eigenen Schutz zahlen müssen.
Ob diese Strategie aufgeht, ist eine andere Frage. Wie Bloomberg festhält, ist die Idee, durch die Einnahme von Kharg Island den Iran zu bezwingen, schon 1988 „phantasievoll“ gewesen – und könnte es auch heute noch sein.
Quellen:
- Weltwoche: „Trumps Iran-Strategie: Ein Drehbuch aus den 1980er Jahren?“ (24.03.2026)
- Financial Times: Analyse zu Trumps Iran-Strategie (März 2026)
- Newsweek: „Trump Said He’d Do a Number on Iran’s Kharg Island Nearly 40 Years Ago“ (März 2026)
- NPR: „Why Trump’s attacks and threats to Iran’s Kharg Island are a big deal“ (19.03.2026)
- Time Magazine: „What To Know About Kharg Island, the Oil Hub at the Center of the Iran War“ (März 2026)
- Axios: „What to know about Kharg Island in Trump’s standoff with Iran“ (19.03.2026)
- Bloomberg Opinion: „Iran War: Trump Seizing Kharg Island Is a Bad Idea for Oil Reasons Too“ (22.03.2026)
- The Guardian: Interview mit Donald Trump (1988)
Credits: APA
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