Trumps Iran-Krieg: Der Mann, der Nation-Building hasste – und es jetzt selbst betreibt

Trumps Iran-Krieg: Der Mann, der Nation-Building hasste – und es jetzt selbst betreibt

Donald Trump hat jahrelang auf US-Interventionismus geschimpft. Jetzt führt er den größten amerikanischen Militäreinsatz im Nahen Osten seit 20 Jahren. Was ist passiert – und was steckt dahinter?

Der Widerspruch ist offensichtlich

Die Zitate sind vernichtend. „Wir müssen die gescheiterte Politik des Nation-Building und des Regime-Change aufgeben“, sagte Trump noch 2016 auf dem Republikanischen Parteitag. Noch im Mai 2025 lobte er in Riad eine neue Generation von Nahost-Führern und verspottete jene westlichen Interventionisten, die „Billionen Dollar damit verschwendet haben, Kabul und Bagdad aufzubauen“. Wie NBC News dokumentiert: „Am Ende haben die sogenannten Nation-Builder weitaus mehr Nationen zerstört als aufgebaut.“

Dann kam der 28. Februar 2026. Kaum eine Stunde nach den ersten US-israelischen Raketeneinschlägen auf den Iran erklärte Trump in einer Videobotschaft, die Washington Times dokumentiert: „America is backing you with overwhelming strength and devastating force. Now is the time to seize control of your destiny.“

Regime-Change – von Trump selbst, in voller Absicht.

Was diesmal anders sein soll

Bereits im Juni 2025, nach den ersten US-Angriffen auf iranische Atomanlagen, gab Trump einen Vorgeschmack: „It’s not politically correct to use the term ‚Regime Change,‘ but if the current Iranian Regime is unable to MAKE IRAN GREAT AGAIN, why wouldn’t there be a Regime Change??? MIGA!!!“ schrieb er auf Truth Social. Washington Times

Trumps Argument: Der Iran unter den Mullahs ist kein normaler Staat, sondern der weltgrößte Staatssponsor des Terrors, der kurz vor der Atombombe stand. „The lives of courageous American heroes may be lost, and we may have casualties — that often happens in war,“ sagte Trump. „But we’re doing this not for now; we’re doing this for the future, and it is a noble mission.“ CNN Derselbe Mann, der Obama jahrelang vorwarf, einen Krieg vom Zaun brechen zu wollen.

Die geopolitische Logik dahinter

Wie Weltwoche-Autor Wolfgang Koydl analysiert, spielt Trump ein größeres Spiel. Ein geschwächter oder gefallener Iran schadet vor allem China – das Land bezog 2025 laut Weltwoche-Kommentator „moertel“ rund 1,38 Millionen Fass iranisches Öl täglich, was etwa 13,4 Prozent seiner gesamten Seoimporte entspricht. Kombiniert mit dem Ausfall Venezuelas als Öllieferant – den Trump ebenfalls aktiv herbeigeführt hat – steigt der Druck auf Peking erheblich.

China und Russland verurteilten die Angriffe als Aggression gegen einen souveränen Staat und als Verstoß gegen das Völkerrecht. Iran schloss umgehend die Straße von Hormuz – durch die rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots fließen. CSMonitor.com

Das MAGA-Lager ist gespalten

Ein bedeutender Teil der MAGA-Bewegung bleibt isolationistisch und lehnt die Iran-Operationen ab. Rechtsaußen-Kommentator Jack Posobiec warnte, der Konflikt könnte die republikanischen Chancen bei den Midterms gefährden. Washington Times Auch Vizepräsident J.D. Vance – einst der schärfste Kritiker amerikanischer Kriegseinsätze im Nahen Osten – schweigt auffällig.

Demokratischer Senator Tim Kaine bezweifelt gegenüber CNN die rechtliche Grundlage des Einsatzes: „There was no imminent threat from Iran to the United States that warrants sending our sons and daughters into yet another war in the Middle East.“ Al Jazeera

Geschichte als Warnung

Kein Staat hat je durch Luftmacht allein einen Regimewechsel herbeigeführt und einen freundlicheren Nachfolger etabliert. Bislang, so Analysten, wurden rund 40 ranghohe iranische Staatsvertreter getötet – darunter Verteidigungsminister und Generalstabschef. CSMonitor.com Ob das genügt, um ein 85-Millionen-Einwohner-Land dauerhaft zu destabilisieren, ist die Frage, die die Geschichte seit Irak und Afghanistan unbeantwortet lässt.

„America first“ – das klingt nach Heimatschutz. Was Trump im Iran betreibt, klingt nach etwas anderem.


Quellen: Weltwoche, CNN, NBC News, Washington Times, Christian Science Monitor, Al Jazeera, Bloomberg
Credits: APA

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