Die USA haben im Nahen Osten die größte Militärkonzentration seit dem Irakkrieg 2003 aufgebaut. Donald Trump setzt dem Iran ein Ultimatum – doch ein Krieg könnte ihn innenpolitisch teuer zu stehen kommen.
Säbelrasseln auf höchstem Niveau
Zwei Flugzeugträger, Dutzende Stealth-Kampfjets, Raketenabwehrsysteme und B-2-Bomber in Bereitschaft: Was sich derzeit im Nahen Osten abspielt, ist mehr als ein Manöver. Die USA haben eine militärische Infrastruktur aufgebaut, die laut der Berliner Zeitung klar auf eine wochenlange Luftoffensive ausgelegt ist – nicht bloß auf Abschreckung.
Trump selbst lieferte die passende Drohkulisse: An Bord der Air Force One erklärte er gegenüber Journalisten, dem Iran blieben zehn bis 15 Tage für einen Deal. Das sei „so ziemlich das Maximum“. Sein Schluss: „Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich.“
Gleichzeitig laufen Atomgespräche – zuletzt in Genf. Doch wie das Handelsblatt berichtet, machte Regierungssprecherin Karoline Leavitt klar, dass man in zentralen Fragen noch weit auseinanderliege. Trump fordert den vollständigen Verzicht Teherans auf Atomwaffen. Der Iran lehnt das ab.
Der Schatten des Juni 2025
Der Hintergrund dieser Eskalation ist entscheidend: Im Juni 2025 griffen die USA gemeinsam mit Israel im Rahmen der sogenannten „Operation Midnight Hammer“ iranische Nuklearanlagen an. Das Ergebnis war ernüchternd – wie t-online festhält: Das Atomprogramm ist heute wieder Thema, was zeigt, dass die Angriffe nicht den gewünschten Effekt hatten.
Laut Reuters planen die USA diesmal weitreichendere Optionen: von gezielten Tötungen innerhalb der iranischen Führung bis hin zu einem erzwungenen Regimewechsel in Teheran.
Irans riskantes Spiel
Teheran spielt ebenfalls mit dem Feuer. Mitte Februar steuerte eine iranische Drohne auf den US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ zu und wurde abgeschossen. Anschließend bedrängten Kanonenboote der Revolutionsgarden einen Tanker unter US-Flagge.
In einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres ließ der Iran ausrichten, dass US-Militäranlagen in der Region im Angriffsfall als legitime Ziele gelten. Man wolle keinen Krieg, werde aber „entschlossen reagieren“.
Ali Vaez, Iran-Experte der Denkfabrik International Crisis Group, bringt es gegenüber der NZZ auf den Punkt: „Beide Seiten glauben, dass ein Nachgeben ihnen als Schwäche ausgelegt würde.“ Die Folge: eine gefährliche Patt-Situation, aus der keiner der Akteure ohne Gesichtsverlust herauskommt.
Trumps innenpolitische Falle
Hier liegt das eigentliche Risiko – und das ist ein innenpolitisches. Trump hatte im Wahlkampf unmissverständlich versprochen, die USA aus neuen Kriegen im Nahen Osten herauszuhalten. Dieses Versprechen war zentral für sein MAGA-Publikum.
Wie das Jacobin Magazin analysiert, war Trump mit sinkenden Zustimmungswerten konfrontiert, als er im Juni 2025 den Angriff befahl – ohne die Bevölkerung darauf vorbereitet zu haben. Der Kontrast zu George W. Bush 2003, der damals auf 70 bis 80 Prozent Zustimmung zählen konnte, ist frappant. Laut dem Magazin lehnt heute eine Mehrheit der Amerikaner – einschließlich vieler Republikaner – ein militärisches Vorgehen gegen den Iran ab.
Dazu kommt: Auch Saudi-Arabien, eigentlich ein Verbündeter, verbot den USA laut t-online, seine Stützpunkte für Angriffe auf den Iran zu nutzen. Riad fürchtet einen Flächenbrand, der die eigene Ölwirtschaft lahmlegt. Katar, Oman und die Türkei drängen ebenfalls auf eine diplomatische Lösung.
Kein klares Ziel, kein klarer Ausgang
Die eigentliche Frage bleibt offen: Was will Washington eigentlich erreichen? Das Atomprogramm lässt sich aus der Luft nicht dauerhaft stoppen – das zeigt die Erfahrung vom Juni 2025. Einen Regimewechsel ohne Bodentruppen zu erzwingen, gilt als illusorisch. Und wer danach die Macht in Teheran übernehmen würde, ist völlig unklar.
Vaez warnt in der NZZ vor einem Kreislauf der Eskalation: „Die USA müssten Iran alle paar Monate bombardieren – das ist nicht nachhaltig.“
Trump sitzt in der Zwickmühle: Greift er nicht an, verliert er Glaubwürdigkeit. Greift er an, riskiert er einen langen, teuren Krieg – und das in einem Jahr, in dem in den USA Zwischenwahlen anstehen.
Quellen: Handelsblatt, t-online, NZZ, Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Reuters, CBS News, Axios, Jacobin Magazin
Credits: APA
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