Drohung, Dementis, Börsenhausse – was steckt hinter Trumps plötzlicher Kehrtwende im Iran-Konflikt?
Ultimatum, dann Rückzug
Am Wochenende legte US-Präsident Donald Trump die Messlatte hoch: Sollte der Iran die Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden vollständig öffnen, würden die USA iranische Kraftwerke angreifen und zerstören – „beginnend mit dem größten!“, schrieb er auf Truth Social. Die Frist lief am Montag aus. Dann kam die Wende.
Wie CNBC und NPR berichten, postete Trump noch vor Ablauf des Ultimatums in Großbuchstaben, die USA und der Iran hätten „sehr gute und produktive Gespräche“ geführt. Er wies das Verteidigungsministerium an, alle geplanten Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. Wie Axios berichtet, sagte Trump gegenüber Journalisten: „Wir haben sehr, sehr starke Gespräche geführt. Wir haben in fast allen Punkten Einigung.“
Iran dementiert – und droht
Teheran spielte auf Zeit. Wie NPR und CBS berichteten, erklärte das iranische Außenministerium schlicht: „Es gibt keinen Dialog zwischen Teheran und Washington.“ Iranisches Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb laut oe24 auf X, Falschmeldungen würden genutzt, um Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und „dem Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel feststecken.“ Gleichzeitig drohte Teheran laut Telepolis mit Vergeltungsschlägen gegen israelische Entsalzungsanlagen und mit dem Verminen der gesamten Golfpassage.
Ein Hinweis auf möglicherweise laufende Backchannel-Gespräche lieferte CBS News: Ein ranghoher iranischer Außenamtsvertreter sagte dem Sender exklusiv, man habe „Punkte von den USA über Vermittler erhalten, die gerade geprüft werden.“
Experten: Trump sucht Ausweg
Für Analysten ist Trumps Zickzack-Kurs ein klares Signal. Wie oe24 unter Berufung auf BILD berichtet, sagt US-Politologe Scott Erb: „Er hat sich massiv getäuscht und sucht jetzt einen Ausweg, ohne wie ein Verlierer dazustehen.“ Trump habe geglaubt, der Krieg sei einfach zu gewinnen.
US-Experte Jonathan Cristol hat einen noch nüchterneren Verdacht, wie oe24 zitiert: „So wie Trump spricht, wirkt es, als wolle er den Sieg erklären und einfach gehen.“ Der Präsident könnte demnach den Einsatz schlicht als Erfolg deklarieren und sich dann anderen Themen widmen – Regime Change steht ohnehin nicht mehr auf der US-Agenda.
Märkte reagieren sofort
Die Finanzmärkte quittierten die Signale prompt. Wie CNBC berichtet, stieg der S&P 500 nach Trumps Ankündigung um 1,15 Prozent, der Dow Jones und der Nasdaq um je 1,38 Prozent. Rohöl fiel deutlich. Die Straße von Hormus bleibt unterdessen faktisch blockiert – sie trägt laut CNBC rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports.
Islamabad als mögliche Bühne
Parallel laufen laut Unione Sarda Berichte, wonach Vermittlerländer versuchen, noch diese Woche ein Treffen in Islamabad zwischen dem iranischen Parlamentspräsidenten Ghalibaf und US-Gesandten wie Steve Witkoff und Jared Kushner zu arrangieren. Wie die Jüdische Allgemeine festhält, nannte Trump den iranischen Außenminister Abbas Araghchi als bisherigen Hauptgesprächspartner – räumte aber ein, dieser sei womöglich nicht bevollmächtigt, ein Abkommen zu liefern.
Quellen:
- oe24.at: „Trumps Iran-Wende: Experte hat brisanten Verdacht“ (24.03.2026)
- CNBC: „Trump postpones strikes on Iran power plants, energy infrastructure“ (23.03.2026)
- NPR: „Trump says the U.S. is in talks with Iran to end the war, which Iran denies“ (23.03.2026)
- CBS News: Live-Updates Iran-Krieg (23.03.2026)
- Axios: „U.S. negotiating with senior Iranian official: Trump“ (23.03.2026)
- ZDF: „Iran-Krieg: Alle Entwicklungen im Liveblog“ (23.03.2026)
- Telepolis: „Trumps Ultimatum an Iran: Fünf Tage Aufschub“ (23.03.2026)
- Jüdische Allgemeine: „Trump verlängert Iran-Ultimatum“ (23.03.2026)
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