Die Luft zwischen US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu ist eisig. Ein neuer Medienbericht enthüllt jetzt das ganze Ausmaß des Ärgers im Weißen Haus. „Er verarscht mich“, soll Trump vor hochrangigen Beratern, darunter Außenminister Marco Rubio, geschimpft haben. Das berichtet das renommierte „Wall Street Journal“.
Gescheiterter Anschlag sorgt für Eklat
Auslöser für Trumps Wutausbruch war demnach der offenbar missglückte Attentatsversuch auf die Hamas-Führungsriege im luxuriösen Exil in Katar am 9. September. Trump, so heißt es, wurde von den Israelis nicht vorab informiert und erfuhr von der heiklen Militäraktion erst durch die US-Militärüberwachung, als diese bereits lief.
Der Präsident soll die Operation als „leichtsinnig“ und „schädlich für die Friedensbemühungen“ bezeichnet haben. Besonders pikant: Katar gilt inzwischen als wichtiger Verbündeter der USA, die dort eine große Militärbasis unterhalten. Die Aktion der Israelis auf dem Boden eines Partners, ohne jede Vorwarnung, kam in Washington gar nicht gut an.
Erst Wut-Anruf, dann versöhnliche Töne
Wie das „Wall Street Journal“ weiter berichtet, griff Trump nach dem Vorfall gleich zweimal zum Hörer. Im ersten Telefonat soll er Netanjahu ordentlich die Leviten gelesen haben. Kurz darauf folgte ein zweiter, versöhnlicherer Anruf, in dem er sich nach dem Erfolg der Mission erkundigte und gleichzeitig die Vermittlerrolle Katars lobte. Ein diplomatischer Spagat, der die Anspannung hinter den Kulissen kaum verbergen kann.
Trotz der deutlichen Worte im kleinen Kreis will Trump öffentlich keinen Bruch mit Israel riskieren. Er stellt sich der neuen israelischen Operation in Gaza-Stadt nicht in den Weg. Dennoch hofft er auf ein baldiges Ende des Krieges, um sein Prestigeprojekt, die Abraham-Abkommen, voranzutreiben – am liebsten mit einem historischen Deal zwischen Israel und Saudi-Arabien.
Tiefe Risse in einer Männerfreundschaft?
Es ist nicht das erste Mal, dass die einst so demonstrativ zur Schau gestellte Freundschaft zwischen Trump und Netanjahu Risse bekommt. Schon als Netanjahu 2020 dem frisch gewählten US-Präsidenten Joe Biden gratulierte, soll Trump einen legendären Wutanfall bekommen und über seinen einstigen Verbündeten gesagt haben: „F*ck him“.
Ein Experte glaubt jedoch, Trumps Ärger habe einen ganz anderen Grund. Israels ehemaliger Botschafter in den USA, Michael Oren, sagte der „Jerusalem Post“: „Wenn unsere Operation in Doha erfolgreich gewesen wäre, hätte Trump sie nicht verurteilt; er hätte sich den Erfolg auf die Fahnen geschrieben.“ Der Fehlschlag sei also das eigentliche Problem, nicht die Aktion an sich. Am Ende geht es in der Politik eben doch nur um eines: den Erfolg.
Credits: APA
Neueste Kommentare