Trump gegen Selenskyj: „Putin ist bereit“ – und die Ukraine die Bremse?

Trump gegen Selenskyj: „Putin ist bereit“ – und die Ukraine die Bremse?

Washington/Kiew, 17. März 2026. Im NBC-Interview legte US-Präsident Donald Trump erneut den Finger in eine offene Wunde: Schuld am stockenden Friedensprozess in der Ukraine sei nicht Russland – sondern die Ukraine selbst.

Was Trump im NBC-Interview sagte

Wie der Tagesspiegel auf Basis des NBC-Interviews berichtet, warf Trump dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, ein Friedensabkommen aktiv zu blockieren. „Ich bin überrascht, dass Selenskyj kein Abkommen schließen will. Sagen Sie Selenskyj, er soll ein Abkommen schließen, denn Putin ist bereit dazu“, sagte Trump. „Mit Selenskyj ist es weitaus schwieriger, eine Einigung zu erzielen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump diese Linie fährt – aber der Zeitpunkt ist besonders heikel. Die geplante nächste Verhandlungsrunde zwischen den USA, Russland und der Ukraine hätte eigentlich in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden sollen. Wie der Tagesspiegel weiter berichtet, wurde sie infolge des Ausbruchs des Iran-Krieges verschoben. Russland lehnte auch ein US-Angebot für ein Treffen auf amerikanischem Boden ab.

Sanktionslockerung als zweites Reizthema

Im selben Interview verteidigte Trump laut 20min.ch auch seine Entscheidung, ölbezogene Russland-Sanktionen befristet zu lockern. Begründung: „Ich will Öl für die Welt haben.“ Die steigenden Energiepreise infolge des Iran-Kriegs hätten diesen Schritt nötig gemacht. Die von der Trump-Administration beschlossene Ausnahmeregelung stieß laut Tagesspiegel in Deutschland und bei anderen Ukraine-Unterstützern auf massive Kritik – die Verbündeten warnen, der Druck auf Russland müsse aufrechterhalten werden, um den Krieg zu beenden. Auch Selenskyj mahnte zuletzt zur konsequenten Einhaltung der Sanktionen und wies darauf hin, dass russische Raketen „mindestens 60 ausländische Bauteile“ enthielten, die Russland unter Umgehung der Sanktionen beziehe.

Selenskyjs Position: Kiew will Frieden – aber nicht um jeden Preis

Selenskyj wies Trumps Vorwürfe zurück. In einer Videoansprache betonte er laut Tagesspiegel: „Die Ukraine war und wird niemals ein Hindernis für den Frieden sein.“ Tatsächlich zeigte Selenskyj sich zuletzt nicht als Bremser, sondern als jemand, der aktiv nach Wegen sucht, die USA im Gespräch zu halten. Wie der Tagesspiegel berichtet, warnte er öffentlich: „Wir möchten auf keinen Fall, dass die Vereinigten Staaten sich wegen des Nahen Ostens vom Thema Ukraine abwenden. Wir wollen die Amerikaner nicht verlieren.“ Tagesspiegel

Der Kernstreitpunkt ist territorial: Wie der Tagesspiegel auf Basis von Verhandlungskreisen berichtet, drängten US-Unterhändler Kiew zuletzt, im Rahmen eines Abkommens auf den Donbass zu verzichten. Selenskyj lehnte solche Zugeständnisse bislang ab und verwies auf die ukrainische Verfassung, die eine Gebietsabtretung verbiete.

Kreml applaudiert – Verbündete widersprechen

Der Kreml begrüßte Trumps Aussagen prompt. Wie der Tagesspiegel berichtet, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow: „Dem kann man zustimmen, das ist tatsächlich so.“ Ganz anders sieht es Polens Premierminister Donald Tusk: Auf X stellte er klar, es sei nicht Selenskyj, der einen US-Friedensplan abgelehnt habe – sondern Russland. „Deshalb besteht die einzige Lösung darin, den Druck auf Russland zu verstärken“, schrieb Tusk.

Trumps Aussagen stehen damit in direktem Widerspruch zur Haltung der meisten europäischen Regierungen, die Russland seit Jahren vorwerfen, kein ernsthaftes Interesse an einem Kriegsende zu haben.


Quellen:

  • Tagesspiegel, „Putin ist bereit: Trump sieht Selenskyj als Haupt-Hindernis für Friedensdeal im Ukrainekrieg“, 17. März 2026: tagesspiegel.de
  • Tagesspiegel, „Der Letzte, von dem wir Hilfe brauchen, ist Selenskyj“, 17. März 2026: tagesspiegel.de
  • 20min.ch, „Trump lockert Russland-Sanktionen wegen steigender Ölpreise“, 15. März 2026: 20min.ch
  • Weltwoche Deutschland, Redaktion, 17. März 2026: weltwoche.de

Credits: APA

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